Wiehrebahnhof 2

Fototreff Höllentalbahn

Wer mit der Höllentalbahn von Freiburg nach Kirchzarten fährt, durchquert zwei Eisenbahntunnel. Das war nicht immer so. Nach ihrer Eröffnung fuhr die Höllentalbahn 47 Jahre lang oberirdisch mitten durch die Wiehre. Die damalige Schienenstrecke hat bis heute unschwer erkennbare Spuren in der Bebauung hinterlassen.

An einem regnerischen Donnerstag verfolgen wir diese Spuren. Wir beginnen am unveränderten alten Wiehrebahnhof von 1887 (heute Kino und Café), folgen dem ehemaligen Gleisbett durch Grünanlagen und Spielplatz, vorbei an einem gut erhaltenen Bahnwärterhaus (heute Wohnhaus) und überqueren die Günterstalstraße. Hinter dem Kiosk durch heutige Privatgärten überquerte die Linie im Bogen die Goethe- und Lorettostraße, vorbei an einem weiteren Bahnwärterhaus. Gegenüber der Lorettogrundschule schwenkt die Strecke auf das Gelände des Katholischen Studentenwohnheims und dann kerzengerade über die Schwimmbadstraße, vorbei an der Waldorfschule, über die Basler-, Kronen- und Heinrich-von-Stephan-Straße auf die Geleise des Hauptbahnhofs zu. Dabei musste die Strecke durch 10(!) Bahnübergänge gesichert werden.

Bei der Eröffnung war das Gelände der Wiehre im Bahnbereich weitgehend unbebaut. Bald danach begann jedoch die rasante Besiedlung durch großbürgerliche Gründerzeit-Villen. Beschwerden über laute und stinkende Dampflokomotiven und über hinderliche und gefährliche Bahnübergänge machten ab 1910 Planungen für eine neue Trasse nötig, die erst 1934 durch zwei Tunnels, vorbei am neuen Wiehrebahnhof, eingeweiht werden konnte. Elektrolokomotiven hielten dann 1936 ihren Einzug.

Die heimelige Gemütlichkeit von Omas Küche tröstet uns über das Regenwetter hinweg. Die „Altfreiburger“ erinnern sich an Jugendstreiche am Lorettoberg, am Hölderle oder im Lorettobad. Wir betrachten alte Fotografien und erzählen uns Histörchen, als der (neue) Wiehrebahnhof noch „richtiger“ Bahnhof war und für den Menschen- und insbesondere Warentransport eine bedeutende Rolle gespielt hat. Wer möchte glauben, dass regelmäßig die Elefanten des Zirkus Krone vom Wiehrebahnhof zum alten Messplatz mitten durch das Wohngebiet geführt wurden? Ein leicht nostalgischer Fototreff findet erst gegen Abend sein erinnernswertes Ende.

Wolfgang Kullmer

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