Oberried 01

FOTOTREFF „KLOSTER OBERRIED“

Die maßgeblichen Kultur- und Bildungsträger im Mittelalter waren die Klöster. Ihre imposanten Bauwerke sind nicht selten bis in unsere Zeit erhalten. So ist es nicht verwunderlich, wenn wir bei unserem FotoTreff zum dritten Mal ein Kloster besuchen: das Kloster Oberried mit Kirche und Kreuzgang.

Unter der Führung des Vorsitzenden des Freundeskreises erfahren wir von der wechselvollen Geschichte des Klosters. Gegründet 1237 vom Kloster Günterstal erlebt es mehrfach Ordenswechsel, Auflösung und Wiederbesiedlung bis es 1725 dem Kloster St. Blasien angegliedert wird. Unter dem berühmten Fürstabt Martin Gerbert wird das Kloster mit viel Stuck und stattlichen Kachelöfen aufgewertet und erweitert, bis es 1806 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wird.

Heute wird der zweistöckige Kreuzgang als Rathaus, Pfarrbüro, Wohnungen für Pfarrer und Messner, Gemeindesaal sowie Bibliotheksräume, der Innenhof zu Open-air-Veranstaltungen genutzt. Die Kirche mit ihrer barocken Ausstattung besitzt einen Hochaltar, der durch Statuen der Heiligen Blasius und Benedikt von Christian Wenzinger flankiert wird. Ein Seitenaltar trägt ein viel älteres Wallfahrtkruzifix, dessen Christus Menschenhaar trägt. Von der Chorempore hinter dem Hochaltar kann man auf seiner Rückseite das ehemalige Altarbild „Mariae Krönung“ betrachten, auf das der heutige Kirchenname zurückgeht.

Weniger bekannt ist die Existenz einer kleinen, aber feinen Klosterbibliothek, die erst in den Achtzigerjahren ins Bewusstsein der Bibliophilen und später der Allgemeinheit getreten ist. Inzwischen kümmert sich der Freundeskreis um die Bestände, die von über 500 Jahre alten Inkunabeln bis ins 20. Jahrhundert reichen. Das besondere Interesse gilt den Werken von Fürstabt Martin Gerbert, die inzwischen durch Zukäufe und Schenkungen zur wohl umfangreichsten Sammlung dieses hochgebildeten Kirchenfürsten angewachsen ist. Zwei weitere Schwerpunkte sind die Werke des schweizer protestantischen Theologen Johann Kaspar Lavater, bekannt mit Gerbert, Goethe, Herder und des schwäbischen katholischen Theologen Ignaz Heinrich von Wessenberg, einflussreich, aber umstritten bei der Gründung des Erzbistum Freiburg.

Nach so viel geistiger Nahrung kehren wir wie gewohnt zum gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen gegenüber im Café Steimle ein. Dort entwickeln sich anregende Gespräche, gerade mit selten anwesenden Clubmitgliedern, was ja der eigentliche Sinn und Zweck unserer FotoTreffs ist.

Text:  Wolfgang Kullmer

Bilder:  Martin Blattmann, Dusan Minarik, Manfred Schäfer, Monika Schäfer, Angelika Weisser

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