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Jahresausflug 2015

Traditionell unternimmt der Foto-Club im Früh- oder Spätsommer einen ganztägigen Busausflug in die mittlere Umgebung von ca. 250 km. Eine landschaftlich einladende Fahrt und ein fotografisch ergiebiges Ziel werden angestrebt. Dies ist beim diesjährigen Ausflug voll gelungen: Am Vormittag durchs liebliche Elsass in das reizvolle Städtchen Saverne, am Nachmittag zum nahegelegenen Schiffshebewerk von Saint-Louis/Arzviller.

Saverne (dt. Zabern) ist eine römische Gründung und gehört seit der Besiedlung durch die Alemannen zum deutschen Sprachraum. Als Residenz der Straßburger Bischöfe erlebt es im Bauern- und dem 30jährigen Krieg ein blutiges Schicksal. Während 4 Jahrzehnten vor dem 1. Weltkrieg gehört Zabern zum Deutschen Reich mit baulichen Hinterlassenschaften bis heute. Gleichwohl steht das Städtchen seit 2014 offiziell im Status der Zweisprachigkeit.

Das beherrschende Bauwerk ist das Schloss, 1790 erbaut vom Straßburger Fürstbischof Rohan mit der längsten klassizistischen Fassade Frankreichs. Heute beherbergt das Schloss das Stadtmuseum. Die Altstadt tut sich durch zahlreiche Fachwerkbauten hervor, herausragend das Haus des bischöflichen Steuereinnehmers “Maison Katz” mit zweistöckigem Erker und filigranen Schnitzereien. Wir finden zahlreiche Möglichkeiten, die mittägliche Einkehr mit elsässischen Spezialitäten zu bereichern. Leider ist der zweitgrößte Rosengarten Frankreichs geschlossen. Dafür lädt der Yachthafen zum Flanieren ein. Er liegt am Rhein-Marne Kanal mit dem Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller, einmalig in Europa und unser Nachmittagsziel.
Der Schrägaufzug von 1969 überwindet in 4 Minuten eine Höhe von 45 Metern, ersetzt 17 herkömmliche Schleusen auf 4 km Länge und verkürzt die ganztägige durch eine halbstündige Schleusung. Das Schiff befährt einen wassergefüllten Betontrog von 900 Tonnen in der Größe einer Schleuse, der auf Schienen und Rollen über eine schiefe Ebene emporgezogen wird. Dabei laufen unter dem Trog massegleiche Betonklötze abwärts, die über Drahtseile und Umlenkrollen dem Trog das Gleichgewicht halten, unabhängig davon, ob im Trog Schiffe schwimmen oder nicht – lehrt die Physik. Durch wohldosierte Wasserzugabe bzw. –entnahme im Trog genügen zum Heben oder Absenken zwei Elektromotoren mit jeweils 120 PS, weil mit ihnen praktisch nur die Reibung überwunden werden muss. Wir können “oben” ein Ausflugschiff besteigen, werden wie von Geisterhand “hinab”gelassen, erleben eine kleine Kanalfahrt zu den ehemaligen Schleusen und werden wieder “hoch”geholt. Teil unseres 1,5stündigen Aufenthalts ist auch eine Besichtigung des Maschinenhauses. Das technisch raffinierte Bauwerk basiert auf einfachen Prinzipien, ist energie- und wassersparend und gibt Anlass für vielfältige Fachsimpeleien.

Die Heimfahrt zeigt die Landschaft zu einer anderen Tageszeit. In Kirchzarten angekommen, beschließen wir den eindrucksvollen Ausflug bei “Mamma Rosa”, in der Pizzeria am Sportplatz.

Wolfgang Kullmer

 

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