Stefan Scheurer

Mein Name ist Stefan Scheurer, geboren 1966 in Eppstein im Taunus und aufgewachsen in Niedernhausen, nahe Wiesbaden und Frankfurt. Nach meinem Studium zog es mich nach Baden-Wรผrttemberg, wo ich heute im Dreilรคndereck lebe und arbeite. Seit 2020 widme ich mich intensiver der Fotografie, ausgestattet mit meinem Smartphone und einer Systemkamera von Fuji.
Ich habe keinen speziellen fotografischen Schwerpunkt. Portrรคtfotografie, Natur- und Landschaftsaufnahmen, Street- und Architekturfotografie – all das fasziniert mich gleichermaรŸen. Zudem experimentiere ich mit speziellen Techniken wie Intentional Camera Movement (ICM) und Mehrfachbelichtungen, um meinen Fotos neben fotografischer Prรคzision auch einen malerischen oder kรผnstlerischen Charakter zu verleihen. Bei mir gehen Fotografietechniken und Themen Hand in Hand – sie sind nahezu untrennbar miteinander verbunden. Jede Technik flieรŸt unmittelbar in ein Thema ein, und mit groรŸer Leidenschaft bearbeite ich beide gleichermaรŸen, weshalb ich sie als Passionen bezeichne.

Dabei lasse ich mich von meinem Motto „In Imago levitas“ leiten – in der Vorstellung liegt die Leichtigkeit. Natรผrlich ist Fotografie kein einfaches Handwerk und erfordert Erfahrung sowie Wissen, um schรถne Bilder zu erschaffen. Doch fรผr mich beginnt der Prozess eines gelungenen Fotos immer in der Vorstellungskraft – dort, wo Realitรคt und Kreativitรคt in Leichtigkeit miteinander „tanzen“. Diese Leichtigkeit in der Vorstellung lรคsst mich neue Ansรคtze finden, spielerisch experimentieren und meine Arbeit voller Freude weiterentwickeln. Aber auch interessiert es mich weniger, neue Dinge zu fotografieren – vielmehr reizt es mich, bekannte Dinge neu zu sehen und zu fotografieren, um darin stets neue Perspektiven und Mรถglichkeiten zu entdecken.

Neben dem Fotografieren begeistert mich auch die Analyse von Fotos und Gemรคlden, um deren tiefere Aussage und Bedeutung herauszuarbeiten.

Auf dieser Seite des Fotoclubs Dreisamtal prรคsentiere ich nun meine fotografischen Experimente, Erlebnisse und Entdeckungen. Begleitet mich auf meiner Reise durch die faszinierende Welt der Fotografie und lasst euch inspirieren …

Letzte ร„nderung siehe „Morphologische Analyse von Bildern- Teil 01 – 03“ …


… von meinen Sessions.


Morphologische Analyse von Bildern- Teil 03 –Typologie morphologischer Bildstrukturen

Nachdem die grundlegende morphologische Segmentierung eines Bildes erkannt wurde, lรคsst sich der strukturelle Charakter des Bildraumes genauer beschreiben. Die Linien und Parzellen eines Bildes bilden nicht nur eine abstrakte Geometrie, sondern erinnern hรคufig an bekannte Ordnungsprinzipien aus Architektur, Natur oder technischen Konstruktionen. Diese Analogien helfen, der morphologischen Struktur einen verstรคndlichen Charakter zuzuordnen.

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Eine hรคufige Struktur รคhnelt dem Aufbau eines Bauwerks. Im unteren Bildbereich entsteht eine stabile Basis, darรผber folgen blockartige Parzellen, und im oberen Bereich bildet sich eine Art Abschluss oder ร–ffnung. Diese Anordnung erinnert an das Verhรคltnis von Fundament, aufgehender Wand und Mauerwerkskrone. Der Bildraum wirkt dadurch konstruiert und getragen. Gleichzeitig bleibt eine solche Struktur hรคufig seitlich offen: Das im Bild sichtbare Stรผck Mauerwerk kรถnnte sich nach links oder rechts fortsetzen. Das Bild zeigt damit nur einen Ausschnitt eines grรถรŸeren strukturellen Verbandes.

Eine andere Variante entsteht, wenn solche Mauerwerksstrukturen ohne klar erkennbares Fundament oder ohne oberen Abschluss erscheinen. Die Parzellen verteilen sich dann gleichmรครŸiger รผber die Bildflรคche, รคhnlich einem zellulรคren Verband. Rechteckige oder polygonale Segmente bilden ein gleichmรครŸiges Muster ohne deutliche Hierarchie zwischen oben und unten. Der Raum wirkt dadurch neutraler und flรคchiger. Die Struktur erinnert eher an ein Detail eines grรถรŸeren Verbandes als an einen vollstรคndigen Baukรถrper.

Neben solchen blockartigen Strukturen treten hรคufig auch Netzstrukturen auf. Linien verbinden sich zu Knotenpunkten und bilden ein Gefรผge aus offenen Zwischenrรคumen. Besonders anschaulich ist hier die Analogie zum Spinnennetz. In diesem Fall entsteht ein System aus radialen Linien und spiralartigen Verdichtungen, das hรคufig auf ein Zentrum hin orientiert ist. Andere Netzformen erinnern eher an ein Fischernetz, dessen Maschen gleichmรครŸig verteilt sind. Wรคhrend das Spinnennetz eine zentrale Verdichtung aufweist, erzeugt das Fischernetz eine gleichmรครŸige, zellulรคre Struktur.

Eine weitere Gruppe bilden Feld- oder Bahnenstrukturen. Hier wird der Bildraum durch parallele Linien in Zonen gegliedert. StraรŸenrรคume, Fassadenlinien oder horizontale Landschaftsschichten erzeugen solche Bildfelder. Die Struktur wirkt dabei weniger massiv als bei blockartigen Verbรคnden und weniger gespannt als bei Netzstrukturen. Sie besitzt vielmehr einen durchlรคssigen Charakter und lรคsst sich gut mit der Vorstellung eines Spielfeldes vergleichen, auf dem sich Figuren innerhalb eines geordneten Feldes bewegen.

Eng verwandt damit sind Schichtstrukturen, bei denen sich der Bildraum aus รผbereinander liegenden Ebenen zusammensetzt. Horizontale oder leicht geneigte Bรคnder bilden eine ruhige Staffelung des Bildraumes. Diese Struktur erinnert eher an geologische Schichten oder an atmosphรคrische Raumstaffelungen in Landschaften. Der Raum wirkt dadurch offen, flieรŸend und durchlรคssig.

In der Praxis treten diese Strukturtypen selten isoliert auf. Hรคufig entstehen Bilder aus Kombinationen mehrerer Ordnungsprinzipien. Eine fundamentartige Basis kann beispielsweise mit einer darรผber liegenden Schichtung kombiniert sein, oder eine Netzstruktur kann innerhalb eines geschichteten Raumes erscheinen. Die Morphologie eines Bildes ergibt sich daher meist aus dem Zusammenspiel verschiedener struktureller Elemente.

Diese erweiterten Strukturtypen beschreiben den morphologischen Hintergrund eines Bildes โ€“ also das strukturelle Feld, innerhalb dessen die eigentlichen Motive erscheinen. Menschen, Objekte oder andere Figuren treten darin als eigenstรคndige Elemente auf, die sich innerhalb dieses Ordnungsraumes positionieren oder bewegen. Die Beziehung zwischen Figur und strukturellem Hintergrund wird dadurch zu einem wichtigen Bestandteil der Bildwirkung.

Die morphologische Analyse eines Bildes umfasst somit nicht nur die Segmentierung der Bildflรคche, sondern auch die Charakterisierung der zugrunde liegenden Strukturtypen, die dem Bildraum seine spezifische Ordnung verleihen.

Morphologische Analyse von Bildern- Teil 02-DieFigur-Grund-Beziehung und die Entkopplung des Motives

Die morphologische Analyse eines Bildes richtet sich zunรคchst auf die Struktur des Bildraumes selbst. Linien, Flรคchen und Parzellen bilden ein Ordnungsgefรผge, das unabhรคngig von den eigentlichen Motiven existiert. Architektur, StraรŸenrรคume, Landschaftslinien oder Horizontstrukturen erzeugen Segmentierungen, die sich hรคufig als konvergente Verdichtungen, laminare Schichtungen oder blockhafte, mauerwerkartige Gliederungen beschreiben lassen. Dieses Gefรผge bildet den morphologischen Rahmen des Bildes โ€“ gewissermaรŸen das strukturelle Gerรผst, auf dem der Bildraum aufgebaut ist (s. Teil 01).

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Auffรคllig ist jedoch, dass die eigentlichen Motive eines Bildes โ€“ insbesondere handelnde Personen oder einzelne Objekte โ€“ hรคufig nicht Teil dieser Segmentierung sind. Sie entstehen nicht aus den Linien des morphologischen Systems, sondern treten darin als eigenstรคndige Elemente auf. Ein Mensch auf einer StraรŸe, eine kleine Gruppe von Figuren im Stadtraum oder ein einzelnes Objekt in einer Landschaft verรคndert die grundlegende Segmentierung des Bildes kaum (gilt nicht bei Immersivitรคt). Die morphologische Struktur bleibt bestehen, selbst wenn diese Figuren entfernt wรผrden.

Damit tritt eine zweite Ebene der Betrachtung hervor. Die morphologische Struktur kann als Grund des Bildes verstanden werden, wรคhrend die Motive als Figuren innerhalb dieses strukturellen Feldes erscheinen. Diese Trennung erinnert an ein zentrales Prinzip der Gestalttheorie: die sogenannte Figur-Grund-Beziehung. In der Wahrnehmungspsychologie beschreibt dieses Gesetz, dass sich eine Figur vom Hintergrund abhebt und als eigenstรคndige Gestalt wahrgenommen wird, wรคhrend der Hintergrund den rรคumlichen Kontext bildet.

รœbertrรคgt man dieses Prinzip auf die morphologische Bildanalyse, ergibt sich eine รคhnliche Denkfigur:

  • Die morphologische Struktur bildet den Grund, also das ordnende Netz aus Linien, Flรคchen und Segmenten.
  • Die Motive bilden die Figuren, die innerhalb dieses strukturellen Feldes auftreten.

Die Figuren sind dabei nicht notwendigerweise Teil der Segmentierung selbst. Vielmehr bewegen oder positionieren sie sich innerhalb eines bereits vorhandenen strukturellen Rahmens. Eine anschauliche Analogie bietet das Spinnennetz. Die morphologische Struktur bildet das Netz aus Fรคden und Knotenpunkten, wรคhrend sich die Motive darin wie eine Spinne bewegen kรถnnen. Sie folgen einzelnen Linien, halten sich an Kreuzungspunkten auf oder bewegen sich zwischen verschiedenen Strรคngen des Netzes.

Eine weitere Analogie ist das Spielfeld. Die Segmentierung des Bildraumes bildet hier das Feld mit seinen Linien und Zonen. Die Motive erscheinen darin wie Spielfiguren, die sich innerhalb dieser Struktur positionieren oder bewegen. Auch wenn die fotografische Struktur kein festes Regelwerk vorgibt, entsteht dennoch ein Ordnungsfeld, innerhalb dessen die Figuren wahrgenommen werden.

Die entscheidende Frage verschiebt sich dadurch: Nicht nur die Struktur des Bildes ist relevant, sondern auch die Position der Figur innerhalb des morphologischen Grundes. Ein Motiv kann entlang einer Linie gefรผhrt werden, an einem strukturellen Knotenpunkt erscheinen, zwischen zwei Flรคchen getragen werden oder bewusst gegen die Ordnung des morphologischen Feldes stehen.

Die Bildanalyse erhรคlt dadurch zwei Ebenen:

  • die morphologische Struktur des Bildraumes als Grund โ€“ und
  • die Stellung der Motive als Figuren innerhalb dieses strukturellen Gefรผges.

Aus dieser Beziehung lassen sich auch Hinweise auf die Wirkung oder Bedeutung eines Bildes ableiten. Entscheidend ist, in welchem Verhรคltnis die Figur zum morphologischen Ordnungsrahmen steht. Eine Figur kann durch die Struktur getragen werden, indem sie sich entlang der Linien des strukturellen Netzes bewegt oder an einem Knotenpunkt des Systems erscheint. Ebenso kann sie zwischen mehreren Segmenten eingebettet sein und dadurch stabil im Bildraum verankert wirken.

Umgekehrt kann eine Figur auch auรŸerhalb dieser tragenden Struktur stehen oder scheinbar durch die โ€žMaschenโ€œ des Netzes fallen. In solchen Fรคllen wirkt ihre Position weniger eingebunden in den Ordnungsrahmen des Bildes.

Diese Beobachtung sollte nicht zwingend als QualitรคtsmaรŸstab verstanden werden. Sie kรถnnen ebenso ein Hinweis auf die bildnerische Bedeutung oder Aussage sein. Ein Motiv, das sich harmonisch in das morphologische Gefรผge einfรผgt, kann Stabilitรคt oder Ordnung vermitteln. Ein Motiv, das sich gegen die Struktur stellt oder sich von ihr lรถst, kann Spannung, Irritation oder Bewegung erzeugen.

Die Beziehung zwischen Figur und morphologischem Grund wird damit selbst zu einem wichtigen Bestandteil der Bildaussage.

Morphologische Analyse von Bildern – Teil 01 – die Hinfรผhrung

Viele Kompositionslehren arbeiten mit รผbergestรผlpten Ordnungsrastern. Manche Fotografen fรผhren transparente Folien mit, in die Linien der dynamischen Bildsymmetrie eingeprรคgt sind, halten sie vor das Motiv und suchen den passenden Standpunkt. Das ist konsequent โ€“ aber mechanisch. Es legt eine fremde Geometrie รผber das Gesehene.

Fruchtbarer erscheint es, die morphologische Struktur des Motivs selbst zu lesen. Jedes Bildfeld ist bereits segmentiert โ€“ durch Linien, Flรคchen, Verdichtungen, Schichtungen. Diese lassen sich sehr gut darstellen, in dem man auf einem Bild Flรคchen und die entsprechenden Umrandungen markiert. Diese Struktur ist damit zwar idealisiert โ€“ aber nicht รผber den vorgefundenen gegebenen Rahmen konstruiert.

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Bei der Auswertung meiner Bilder habe ich zunรคchst drei Grundformen gefunden:

  1. Konvergente Segmentierung bei z. B. perspektivischen Bildern
    Linien laufen aufeinander zu, Parzellen verjรผngen sich, Dreiecke oder Trapeze entstehen. Die Wahrnehmung liest ein Fachwerk aus Streben und Knoten. Spannung entsteht durch Bรผndelung. Ein implizites Zentrum bildet sich. Das Bild spannt sich.
  2. Laminare Schichtung bei Hintergrรผnden die quer zur optischen Achse laufen
    Parallele Linien staffeln Flรคchen รผbereinander. Nichts verdichtet sich, nichts zieht. Das Motiv wird getragen, eingebettet, durchlรคssig. Die Wirkung ist feldartig und ruhig. Das Bild flieรŸt.
  3. Blockhafte bzw. mauerwerkartige Segmentierung รคhnlich wie bei dem Spiel Tetris
    Rechtwinklige Parzellen verbinden sich zu kompakten Blรถcken. Rechtecke dominieren. Linien erscheinen als Begrenzungen von Masse, nicht als Krรคfte. Es entsteht Stabilitรคt, Schwere, Geschlossenheit. Die Perspektive ist vorhanden, tritt aber nicht dominant in Erscheinung. Das Bild steht.
  4. Hybride Segmentierung โ€“ kombinierte Strukturen aus den zuvor genannten Grundformen
    In der Praxis treten diese Grundformen selten isoliert auf. Hรคufig bildet eine blockhafte, fundamentierte Struktur das stabile Gerรผst, auf dem sich eine laminare Schichtung aufbaut. Ebenso kann innerhalb einer ruhigen Schichtung plรถtzlich eine konvergente Verdichtung auftreten und ein Zentrum erzeugen.

Diese รœberlagerungen sind besonders interessant:
Ein Bild kann gleichzeitig stehen, flieรŸen und ziehen โ€“ je nachdem, welche Segmentierungsebene dominiert.

Morphologische Analyse bedeutet daher nicht, Bilder in starre Kategorien zu pressen, sondern ihre strukturelle Hierarchie zu erkennen:

  • Was trรคgt?
  • Was schichtet?
  • Was verdichtet?

Komposition wird so nicht angewandte Formel, sondern prรคzise Strukturerkenntnis

Eindeutigkeit ist NUR eine Mรถglichkeit – Update 02.03.2026

Wie in dem Artikel zuvor dargelegt wird der Begriff โ€žBildstoryโ€œ verwendet, ohne klar definiert zu sein. Er fungiert eher als Sammelbegriff fรผr unterschiedliche Qualitรคten eines Fotos: fรผr seine Bildwirkung, seine Atmosphรคre, sein mรถgliches Narrativ โ€“ und eben auch fรผr seine Bildaussage. Wenn also jemand sagt, ein Bild habe โ€žeine starke Bildstoryโ€œ, bleibt oft offen, was genau gemeint ist. Meist schwingen mehrere Aspekte zugleich mit. Konzentrieren wir uns daher auf einen dieser Aspekte: die Bildaussage.

Wenn wir von โ€žAussageโ€œ sprechen, verbinden wir damit zunรคchst Klarheit und Festlegung. Eine Aussage scheint etwas Abgeschlossenes zu sein, eindeutig formulierbar, ohne Spielraum. In vielen Bereichen ist das notwendig: Technische Zeichnungen (ich bin ja Bauingenieur), Anleitungen oder Vertrรคge funktionieren nur dann zuverlรคssig, wenn sie Mehrdeutigkeit minimieren. Qualitรคt entsteht dort durch Prรคzision. รœbertrรคgt man diese Erwartung auf Bilder, liegt der Schluss nahe, auch eine gute Fotografie mรผsse eine klar definierte Botschaft transportieren. In bestimmten Anwendungsfeldern ist das tatsรคchlich so. Produktfotografie, Werbung oder dokumentarische Berichterstattung sind oft auf Verstรคndlichkeit und Zielgerichtetheit angewiesen. Das Bild erfรผllt eine Funktion; seine Aussage soll ankommen.

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Doch Fotografie als Kunstform scheint auch einer anderen Logik zu folgen. Sie befasst sich nicht nur mit Dingen, sondern mit Zustรคnden, Atmosphรคren, Spannungen, gesellschaftlichen Entwicklungen. Unser Leben selbst ist selten eindeutig. Gefรผhle รผberlagern sich, Zukunft bleibt offen, gesellschaftliche Prozesse sind widersprรผchlich. Warum sollte ein Bild diese Uneindeutigkeit nicht spiegeln dรผrfen? Gerade hier liegt seine Stรคrke. Ein Bild kann Fragen stellen, anstatt Antworten zu geben. Es kann Bedeutungsrรคume erรถffnen, anstatt sie zu schlieรŸen. Manche Fotografien erschlieรŸen sich erst bei lรคngerer Betrachtung; sie lassen mehrere Lesarten zu, ohne sich auf eine festzulegen. Ihre Aussage ist nicht monolithisch, sondern vielschichtig. Sie entsteht im Dialog zwischen Bild und Betrachter.

Dabei ist ein entscheidender Unterschied wichtig: Uneindeutigkeit ist nicht gleich Unklarheit. Eine starke Fotografie darf inhaltlich offen sein โ€“ sie sollte jedoch formal klar sein. Komposition, Lichtfรผhrung, Struktur, Blickfรผhrung, Proportion: Diese Elemente schaffen Ordnung. Sie geben dem Bild Stabilitรคt. Ohne formale Klarheit droht Mehrdeutigkeit in Beliebigkeit umzuschlagen. Ein Bild muss nicht eindeutig sein. Es muss nicht eine einzige, festgelegte Botschaft transportieren. Aber es sollte in seiner Gestaltung so klar strukturiert sein, dass die angebotenen Bedeutungen nicht zufรคllig wirken, sondern getragen sind von einer inneren Ordnung. Eindeutigkeit ist also nur eine Mรถglichkeit. Klarheit ist mit Sicherheit eine Qualitรคt.

Eine Story ist eine Story ist eine … (Bild-)Story?– Update 02.03.2026

Wir alle sind mit dem Begriff โ€žStoryโ€œ aufgewachsen. Story bedeutet Geschichte. Fรผr mich beinhaltet eine Story Akteure, eine Entwicklung sowie ein Vorher und ein Nachher. Sie enthรคlt Spannung, vielleicht einen Wendepunkt, mรถglicherweise sogar eine Auflรถsung โ€“ oder auch keine, denn die Zukunft ist nicht eindeutig.

In Romanen oder Filmen ist diese Verwendung selbstverstรคndlich. In der Fotografie jedoch wird der Begriff mitunter an Stellen gebraucht, die ich nicht nachvollziehen konnte โ€“ etwa in der Natur- und Landschaftsfotografie, wo von einer โ€žguten Bildstoryโ€œ gesprochen wird, obwohl sich auf den ersten Blick keine Handlung erkennen lรคsst.

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Eine Internetrecherche zeigt: โ€žBildstoryโ€œ ist kein klar definierter oder normierter Fachbegriff der Fotografie. In Theorie und Praxis finden sich Begriffe wie โ€žNarrationโ€œ oder โ€žVisual Storytellingโ€œ, doch โ€žBildstoryโ€œ selbst besitzt keine verbindliche Definition. Der Ausdruck wird unterschiedlich verwendet – mal im klassischen Sinne einer erzรคhlbaren Handlung, mal lediglich als Bezeichnung fรผr eine starke Bildaussage oder atmosphรคrische Dichte. Wenn man sich vergegenwรคrtigt, wie viele unterschiedliche Ebenen bei der Beurteilung eines Fotos eine Rolle spielen, wird die Sache recht kompliziert. Wir sprechen von Bildaussage, Bildwirkung, Komposition, Atmosphรคre, Symbolik oder narrativem Potenzial. Jede dieser Ebenen beschreibt einen eigenen Aspekt dessen, was ein Bild leisten kann.

Ein Foto kann inhaltlich stark sein, ohne emotional stark zu wirken. Es kann formal รผberzeugen, ohne eine erzรคhlerische Dimension zu besitzen. Es kann atmosphรคrisch dicht sein, ohne eine erkennbare Handlung zu zeigen. In dieser Vielfalt an Beschreibungsmรถglichkeiten liegt mรถglicherweise auch der Grund dafรผr, dass der Begriff โ€žBildstoryโ€œ so breit verwendet wird. Er bรผndelt – bewusst oder unbewusst – mehrere Ebenen in einem einzigen Wort. Statt differenziert zwischen Aussage, Wirkung, Narration oder Atmosphรคre zu unterscheiden, wird ein umfassender, positiv besetzter Begriff verwendet.

Vielleicht ist โ€žBildstoryโ€œ deshalb weniger eine prรคzise Kategorie als vielmehr ein Sammelbegriff – ein sprachliches Kรผrzel fรผr die komplexe Gesamtheit dessen, was ein Bild beim Betrachter auslรถst. Und genau darin liegt zugleich seine Stรคrke, aber auch seine Schwรคche.

Impuls: Die Fleischwerdung– Update 06.02.2026

Am Anfang stehen fotografische Regeln als etwas ร„uรŸeres. Man lernt sie, benennt sie, wendet sie an. Noch vor allen anderen Regeln steht jedoch der Bildausschnitt, bestimmt durch Kamera und Objektiv. Er ist der erste Ordnungsrahmen. Erst innerhalb dieses Rahmens legt man weitere Systeme darรผber: Drittelregel, fรผhrende Linie, dynamische Bildsymmetrie, Gestalttheorie und Perspektive. Diese Vorgehensweise ist hilfreich, weil sie Orientierung gibt. Sie schult den Blick, diszipliniert das Sehen und verhindert Beliebigkeit. Gleichzeitig bleibt sie mechanisch. Das Bild wird korrekt, aber noch nicht zwingend gut.

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Mit zunehmender Erfahrung kehrt sich die Richtung um. Die Regeln treten in den Hintergrund – nicht weil sie an Bedeutung verlieren, sondern weil sie eingefleischt sind. Das Sehen geht der Regel voraus. Man erkennt Flรคchen, Spannungen, Bewegungsrichtungen, Gewichte und innere Proportionen. Erst danach, lรคsst sich benennen, ob es sich um eine Drittelteilung, einen goldenen Schnitt, eine dynamische Bildsymmetrie, eine perspektivische Ordnung, eine fรผhrende Linie oder eine Gestaltfigur handelt. Die Regel beschreibt und unterstreicht, was ohnehin schon vorhanden war.

In diesem Moment wird Inkarnation spรผrbar. Die Regeln werden nicht mehr angewendet, sie nehmen Gestalt an. Sie erscheinen nicht als Vorschrift, sondern als Resonanz zwischen Motiv und Wahrnehmung. Nicht jede Szene verlangt nach derselben Ordnung, und keine Ordnung lรคsst sich beliebig erzwingen. Manche Motive tragen ihre Teilung bereits in sich, andere ihre Bewegung, andere ihre innere Symmetrie, ihre Perspektive oder ihre Spannung.

>>> Siehe auch:

Interpretation: Schnappschuss mit Potential – Update 30.01.2026

โ€žKunst ist erst interessant, wenn man nicht mehr weiรŸ, ob sie Kunst oder Mรผll ist.โ€œ – Joseph Beuys

Stell dir eine Fotografie vor, die en passant entsteht. Im Flow. Beilรคufig. Radikal ehrlich. Nicht geplant, nicht erklรคrt, nicht bewertet โ€“ sondern vollstรคndig wahrnehmungsgesteuert. Genau das fasziniert mich an den Arbeiten der Provoke-Gruppe (Daido Moriyama, Takuma Nakahira, Yutaka Takanashi, Kลji Taki).

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Die in in der Zeitschrift Provoke verรถffentlichten Fotografien waren oft grobkรถrnig, unscharf und kontrastiert. Es ging nicht um technische Perfektion, sondern darum, eine unmittelbare emotionale Wirkung zu erzeugen. Die Bilder wirken roh, fragmentiert und teilweise verstรถrend und haben auf mich eine auรŸergewรถhnliche Wirkung: roh, direkt und von einer Intensitรคt und Immersivitรคt, wie ich sie nur selten erlebe.

Beispielsweise dokumentiert Daidล Moriyamas Hund in der folgenden Gallerie nicht einfach ein Tier. Das Bild zeigt, wie sich Welt und Fotograf anfรผhlen, wenn alles zu nah kommt. Korn, Kontrast und Unschรคrfe sind dabei keine gestalterischen Effekte, sondern Spuren von Bewegung, Nervositรคt โ€“ vielleicht sogar ein Medium fรผr die รœbertragung von Bedrohung.

Wichtiger als der Stil ist fรผr mich jedoch der Zustand, aus dem heraus diese Bilder entstehen. Fotografiert wird nicht aus dem Aspekt der Analyse, um Bedeutung herzustellen, sondern aus einem reaktiven Moment heraus. Der Auslรถser folgt unmittelbar einem Wahrnehmungsmaximum – ohne Analyse, ohne Absicht, ohne gedanklichen Zwischenschritt.

Entscheidend ist nicht das Motiv, sondern die Reibung: mit der Umgebung, mit Bewegung, mit Nรคhe, mit Irritation. Dort, wo etwas nicht glatt ist, entsteht das Bild. Bedeutung ergibt sich nicht im Moment des Fotografierens, sondern – wenn รผberhaupt – erst im Nachhinein.

Auch wenn ich – in diesem Fall leider – mit viel zu guter Kameraausrรผstung unterwegs bin, bleiben der Flow und die meditative Grundhaltung fรผr mich das eigentlich Faszinierende.

Kollektion Dunkelbunt– Update 06.01.2026

Aus meinem Interesse an der Nachtfotografie und Saul Leiter habe ich gezielt Bilder ausgekoppelt, die sich in besonderer Weise mit Lichteffekten und Farbe beschรคftigen. Diese Arbeiten habe ich in der Kollektion Dunkelbunt zusammengefasst.

Im Zentrum stehen visuelle Phรคnomene, die typisch fรผr die Nacht sind und sich bei Tageslicht kaum zeigen. Dazu zรคhlen Sterneffekte durch die Blende, ebenso wie Bubbles, Bokeh-Strukturen oder seifenblasenartige Lichtformen, die aus punktfรถrmigen Lichtquellen entstehen. Licht wird hier nicht als Mittel zum Zweck verstanden, sondern als eigenstรคndiges Gestaltungselement.

Spiegelungen, Transparenzen und optische Stรถrungen spielen eine wichtige Rolle. Verschmutzte oder beschlagene Fensterscheiben, vereiste Spiegel, Kondenswasser, Kratzer oder Schlieren wirken nicht als Defizit, sondern als aktive Bildbestandteile. Sie verรคndern Licht, brechen Farben, verzerren Rรคume und erzeugen eine zusรคtzliche Bildschicht zwischen Motiv und Betrachter.

Diese Herangehensweise lehnt sich bewusst an eine Bildsprache an, wie sie zum Teil bei Saul Leiter zu finden ist, bei dem beschlagene, verschmutzte oder nasse Fensterscheiben als gestalterisches Mittel eingesetzt wurden. Nicht das Sehen steht im Vordergrund, sondern das Sehen durch etwas hindurch.

โ€žDunkelbuntโ€œ beschreibt damit einen Zustand, in dem Dunkelheit nicht Abwesenheit von Farbe ist, sondern ihr Wirkungsraum. Die Kollektion versteht sich nicht als Dokumentation von Orten, sondern als Untersuchung von Lichtzustรคnden und Farbspannungen bei denen Umweltbedingungen aktiv in die Bildaussage eingreifen.

Info: Nacht รผber Voigtland– Update 28.12.2025
Auslรถser war mein Wunsch mit extremen Offenblenden zu arbeiten aber auch das Fotografieren zu entschleunigen. Aus diesem Grund habe ich mir ein gebrauchtes Voigtlรคnder 35 mm f0.9 gekauft, dass รผber keinen Autofokus verfรผgt, was meinen fotografischen Prozess bemerkenswert verรคndert. Die Haptik lรคsst sich am besten mit den Attributen massiv und prรคzise beschreiben und das Objektiv fรผhlt sich eher nach Werkzeug an, nicht nach Elektronik.

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Es handelt sich dabei um ein ultralichtstarkes Standardobjektiv, das insbesondere fรผr die Nacht- und Available-Light-Fotografie ausgelegt ist und durch seine extreme Offenblende einen besonderen gestalterischen Charakter entwickelt.

  • extrem lichtstark, prรคdestiniert fรผr Nacht und Restlicht
  • sehr geringe Schรคrfentiefe, Fokussieren wird zur bewussten Entscheidung
  • die EXIF-Daten kรถnnen direkt in den EVF – Electronic Viewfinder meiner Fuji XT5 รผbertragen werden
  • Besonders schรถne Sonnensterne durch Beugung von Licht an den Blendenlamellen

Dennoch – die Bildentwicklung und Bildbearbeitung bleiben die entscheidenden Schritte. Im aktuellen Darktable 5.4 sind in meinem Workflow drei Module besonders zielfรผhrend. Das Modul Belichtung mit seiner Schwarzpunktsteuerung, die gerade bei Nachtaufnahmen entscheidend ist, um Tiefe zu erzeugen ohne die Lichter zu zerstรถren. Das Modul Farbkalibrierung, das weit รผber einen simplen WeiรŸabgleich hinausgeht und es erlaubt, auch komplexes Nacht- und Mischlicht sauber darzustellen. Und schlieรŸlich das neu hinzugekommene Modul AGX Tone Mapper, der unter anderem auch in der Kultsoftware Blender eingesetzt wird. Dieses Modul verfรผgt รผber wirkungsvolle Parameter zur gezielten Steuerung des extremen Dynamikumfangs zwischen Lichtern und Schatten und ist wahrscheinlich die bessere Alternative zu den Modulen FilmicRGB oder Sigmoid. Ergรคnzend ist fรผr meinen Workflow wichtig, dass ich alle drei Module konsequent mit unterschiedlichen Blendmodes (S. den Artikel „die Launen des Bildhauers“) einsetze. Dadurch lassen sich Eingriffe gezielt auf Luminanz und Farbe dosieren, ohne die jeweilige Grundwirkung des Moduls zu verlieren. Gerade bei Nachtaufnahmen erhรถht das die Kontrolle erheblich und verhindert unnรถtige Nebenwirkungen in Lichtern und Schatten.

Die Nachtfotografie macht mir sehr viel SpaรŸ, weil sie Stimmungen sichtbar macht, die narรผrlicherweise am Tag nicht existieren. Lichter werden zu eigenstรคndigen Bildelementen und prรคgen den Bildraum. Gleichzeitig entsteht in mir eine besondere Freude und Herausforderung an der Bildbearbeitung, vor allem am prรคzisen Umgang mit Farbe und Farbechtheit. Genau diese Kombination macht fรผr mich den Reiz der Nachtfotografie aus.

Interpretation: Eine erste „Kollision“ mit Saul Leiter– Update 07.01.2026 (Update der Bilder und Kommentare am 06.01.2026)

Als Einstieg in die Betrachtung von Saul Leiters Werk begreife ich diese Form der Fotografie als die Herstellung eines Bildes aus autonomen Komponenten, die optisch kollidieren. Spannung entsteht dort, wo Bildwirklichkeiten โ€“ wie in den nachfolgenden Bildern Snow, Taxi und Window โ€“ aufeinandertreffen, sich schneiden (das Autofenster in Taxi), รผberlagern (das verschmutzte Fenster in Window oder der Dunst auf der Scheibe in Snow) oder sich gegenseitig blockieren. Diese visuellen Kollisionen entstehen an Orten, an denen Grenzen deutlich werden โ€“ Kanten, Ecken, Brรผche, รœberdeckungen, Spiegelungen und harte Schnitte im Raum. Dort prallen mehrere Bildwirklichkeiten unversรถhnlich aufeinander. Seine Fotografie setzt genau hier an und hรคlt diesen Zustand der Reibung, der รœberlagerung und der Kollision bewusst fest.

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Die Komponenten seiner Bilder verhalten sich wie die Flicken einer Patchworkstruktur. Es sind Fragmente unterschiedlicher Ordnungen โ€“ menschliche Teile, Objekte, Farbfelder, Licht und Reflexionen. Jeder Flicken bleibt eigenstรคndig, keiner ordnet sich unter. Bedeutung entsteht aus Gleichzeitigkeit und Reibung, nicht aus Harmonie.

Zentrale Elemente dieser Bildlogik sind Divisoren und Blockierer. Blockierer wirken aktiv im Vordergrund. Hรคufig sind es Personen oder nahe Objekte โ€“ etwa das Objekt vor dem Taxi bei Saul Leiter โ€“, die den Sichtkegel der Kamera formen. Sie rahmen das Bild, verengen die Wahrnehmung, erzwingen Fragmentierung und treiben die visuelle Kollision voran. Durch Nรคhe und Position verdichten sie den Bildraum und erzeugen gezielt Richtungsgegensรคtze innerhalb der Szene. Divisoren wie Ecken, Kanten, Glas und Reflexion erzeugen entlang der optischen Achse mehrere Abbildungsebenen (Layer) und geteilte Wirklichkeiten, die einer einzigen physischen Szene gegenรผberstehen. Ergรคnzt werden diese Divisoren durch Umweltbedingungen wie Schnee, Eis, Regen, Kondenswasser oder Schmutz auf Glasflรคchen. Sie wirken als zusรคtzliche Wahrnehmungsfilter, die den Blick trรผben, verschieben oder partiell neutralisieren und damit die Bildwirklichkeit โ€ždirtyโ€œ gestalten. So entsteht ein Unter-, รœber- oder Nebeneinander paralleler Ebenen. Diese Kompositionslogik folgt dem Prinzip eines optischen Auffahrunfalls. Autonome Flicken aus verschiedenen Wirklichkeiten treffen im engen Nahfeld aufeinander und verharren in der Kollision. Die einzelnen Komponenten stauen sich im Bildraum und verdichten sich dort.

Auch die Kamerahaltung folgt diesem Ansatz. Eine leichte Schiefe wirkt manchmal als bewusste Imperfektion und zusรคtzlicher Bruch. Sie markiert aber auch das Trรคgheitsmoment einer reaktiven Kamerafรผhrung, denn Ausrichten ist hier nicht mehr angebracht – die Kamerahaltung wird zur vermittelnden Geste innerhalb der Patchwork-Struktur und zum gewollten Ausdruck, die Vielzahl der Bildwirklichkeiten wie ein Jongleur einzufangen und auszubalancieren.

Auch diese Form der Fotografie folgt einer immersiven Bildlogik, da hier der Zustand der Szenerie unmittelbar erfahrbar wird. Immersion entsteht allerdings nicht innerhalb geschlossener Muster, wie sie aus der Gestalttheorie bekannt sind. Sie entwickelt sich an den Grenzen und Rรคndern zwischen den Mustern, dort, wo perspektivische Ordnung durch Framing zerstรผckelt wird und mehrere Bildwirklichkeiten einen geschichteten Zustand bilden. Auch wird die Immersion durch die Schichtung mehrerer Bildebenen als Summe partieller Tiefen unterstรผtzt.

Fragmentierung anonymisiert jedwede Muster und verschiebt den Fokus auf Bruchzonen und Grenzlinien. Genau dort, wo Ordnungen aufbrechen, sich widersprechen oder kollidieren, entsteht ein dichter Wahrnehmungsraum, in den Saul Leiter eintaucht.

Erfahrung: Villa Kunterbunt statt schรถnfรคrben– Update 14.12.2025

Beim Fotografieren unter monochromatischen Lichtverhรคltnissen entstehen mehrere grundlegende Probleme. Da das Licht nur einen engen Spektralbereich abdeckt, gehen Farbunterschiede verloren und viele Oberflรคchen unterscheiden sich nur noch geringfรผgig in der Helligkeit. Dadurch sinkt der lokale Kontrast deutlich. Autofokussysteme haben es schwerer, weil sowohl Phasendetektion als auch Kontrastmessung auf Helligkeitsunterschieden beruhen. Auch die Belichtungsmessung kann unzuverlรคssig werden, da einzelne Farbkanรคle รผberbetont oder praktisch leer sind. Zusรคtzlich wirkt das Bild oft flรคchig und strukturlos, selbst wenn das Motiv real rรคumlich und differenziert ist.
Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass moderne Kameras diese Situation erstaunlich gut beherrschen. Mit meiner Fujifilm X-T5 funktionierte der Autofokus gefรผhlt in etwa 95 % der Aufnahmen auf Anhieb zuverlรคssig. Die beschriebenen Einschrรคnkungen treten vor allem in Grenzsituationen auf, etwa bei sehr gleichmรครŸigen Flรคchen, extrem schmalbandigem Licht oder fehlenden klaren Kanten. Monochromatisches Licht verlangt daher entweder klare Formen oder eine bewusste manuelle Kontrolle von Fokus und Belichtung.

BrainFuck: Schablonen, Polka Dots und Zustรคnde– Update 24.11.2025

Die folgenden รœberlegungen entstanden aus verschiedenen Eindrรผcken in der letzten Zeit: meiner Arbeit an Colors of Life, meinem Besuch der Yayoi-Kusama-Ausstellung in der Fondation Beyeler und meiner Dauerbrennerbeschรคftigung mit dem Thema Immersion. Diese Bereiche gehรถren methodisch nicht zusammen, aber sie รผberlagern sich in mir zu einem Gedankenmรผsli mit รœbertragungspotenzial zur Fotografie.

Kusamas Polka Dots stehen fรผr die Repetition – und ein sehr eigenwilliges Konzept. Ihre Punkte รผberziehen die Motive vollstรคndig und verdrรคngen deren eigene Identitรคt. Formal erinnert das Punktfeld entfernt an digitale Rasterprinzipien (Dithering), aber der Vergleich endet dort. Kusamas Punkte variieren eigentlich (Ausnahmen bestรคtigen die Regel) nicht Tonwerte oder Tiefe. Sie sind viel zu regelmรครŸig, gleichfรถrmig und nahezu monoton teilweise unabhรคngig vom Objekt gesetzt. Die Wiederholung bei ihr ist zwanghaft, obsessiv und ohne dramaturgische Abstufung. Die Punktfelder bilden eine Landkarte ihrer Psyche – jeder Punkt ist eine Koordinate ihrer Synapsen, jeder Cluster eine Verdichtung ihres inneren Drucks. Dadurch entsteht eine Metamorphose: Ihre Psyche infiltriert die Oberflรคche des Objekts und รผberlagert dessen Identitรคt. Man kรถnnte meinen, sie falte ihr eigenes Gehirn auseinander und wickle es wie eine Haut um die Objekte. Die Punkte sind nicht Dekor, sondern die Art, wie sie ihre Psyche, gefangen in den Synapsen, รคhnlich einem Tuch um die „Welt“ legt (Self-Obliteration).

Die Immersion hingegen bildet einen Phasenรผbergang in den vorherrschenden Zustand – Raum ist nicht erkennbar, sondern wird spรผrbar, weil seine Dichte unmittelbar erfahrbar wird. Motive, Objekte und Betrachter treten in diesen Zustand ein und resonieren mit ihm. Die Konturen verlieren nicht ihre Dominanz, weil sie verschwinden, sondern weil der Zustand die Form prรคgt und sie modifiziert. Immersion bedeutet, dass das Bild nicht mehr aus einzelnen Motiven und Elementen besteht, sondern aus der Erfahrung eines gemeinsamen Feldes.

Aus diesen Eindrรผcken ergibt sich aktuell beim mir ein Mรผsli aus Polka Dots und Zustรคnden zur Strukturierung von Bildern. Kusamas Psyche verpackt die Oberflรคchen der Objekte. Die Immersion macht den Zustand erfahrbar.

Metapher: Die Launen des Bildhauers– Update 14.11.2025

In der Bildbearbeitung greifen die meisten zu den bekannten Werkzeugen und nutzen Funktionen/Module wie z. B. lokale Kontraste, KontrastEqualizer, SchรคrfeModul, TonwertKurve, FarbBalance RGB, DunstEntferner oder einfache Belichtungskorrekturen usw. All diese Operationen verรคndern ein Bild, keine Frage. Doch ein entscheidender Teil des Prozesses wird m. E. oft genug รผbersehen: die Blending-Modes.

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Wir wenden die Module und Funktionen an und beurteilen am Bildschirm ad hoc den Effekt, vergessen aber oft, dass erst durch die Blending-Optionen (z.B. Addition, Subtraktion, Multiplikation, Overlay, Softlight, Hardlight, Screen, Darken Only, Lighten Only) das Bild wirklich Charakter bekommt und zusammen mit der Deckkraft vor allem nuanciert eingesetzt werden kann.

Ohne Blending wird die Wirkung einer Bildbearbeitungsoperation unter Umstรคnden falsch eingeschรคtzt und und diese unnรถtigerweise verworfen. Der technische Eingriff ist zwar da, – nicht aber der Ausdruck.

Um diesen Prozess greifbarer zu machen, habe ich die Metapher des Bildhauers eingefรผhrt: Das Ausgangsbild entspricht dem rohen Steinblock. Er hat Masse, Licht, Schatten, aber noch keine klare Form. Die Bildbearbeitungsoperationen entsprechen hier den Werkzeugen – MeiรŸel, Raspel, Feile. Mit ihnen entscheiden wir, was am Bild verรคndert wird: eine Vertiefung hier, eine Kante dort, eine geglรคttete Flรคche, ein herausgearbeiteter รœbergang. Doch beim Bildhauer entscheidet nicht nur das Werkzeug รผber das Ergebnis, sondern die Art, wie es gefรผhrt wird. Die Schlagtechnik – wuchtig, aggressiv, sanft, hart, impulsiv, vorsichtig, druckvoll oder zurรผckhaltend – ist ebenso entscheidend wie das Werkzeug selbst.

Genau dieses Mindset sollten wir in der Bildbearbeitung รผbernehmen und den Blending-Modes deutlich mehr Bedeutung geben, denn sie haben am Ende einen bemerkenswerten Einfluss auf die Bildwirkung.

Hypothese: โ€žDurchschleifenโ€œ ist theoretisch angesagt– Update 10.11.2025

Manchmal hilft Weglassen mehr als Verfeinern – auch in der Bildentwicklung. Demosaicing sorgt fรผr glatte รœbergรคnge bei Farbbildern, aber auch fรผr einen kleinen Verlust an Schรคrfe. Bei der Mondfotografie zรคhlt jedoch nicht Glรคtte, sondern Prรคzision. Ein normaler Farbsensor, wie der meiner Fujifilm X-T5, nutzt ein Farbfiltermuster mit 50 % Grรผn-, 25 % Rot- und 25 % Blau-Pixeln.

Unterschiedliche Sensoren:
X-TRANS             |   BAYER
--------------------|-----------------------------
G R G G B G . . .   |   G R G R G R . . . 
B G B R G R . . .   |   B G B G B G . . . 
G R G G B G . . .   |   G R G R G R . . . 
G B G R G R . . .   |   B G B G B G . . . 
R G R G R G . . .   |   G R G R G R . . . 
G R G B G B . . .   |   B G B G B G . . . 
. . . . . . . . .   |   . . . . . . . . .

Damit jede Bildstelle Farbe erhรคlt, mรผssen die fehlenden Farbanteile rechnerisch ergรคnzt werden. dieser Vorgang heiรŸt Demosaicing oder Entยญrastern. Das Problem: Dabei werden Farb- und Helligkeitsunterschiede geglรคttet, was feine Strukturen leicht verwischt.
Gerade bei Motiven wie dem Mond, die kaum Farbe enthalten, ist dieser Schritt รผberflรผssig.

In Darktable gibt es im Modul โ€žEntยญrasternโ€œ die Methode โ€žDurchschleifen (monochrom)โ€œ. Damit wird das eigentliche Demosaicing ausgelassen. Darktable verwendet so die Messdaten der RAW-Datei direkt als Luminanzwerte ohne dass Farbinformationen interpoliert oder geglรคttet werden.

Das bedeutet: Jeder Pixelwert entspricht exakt dem Licht, das auf diesen Sensor gefallen ist. Es erfolgt keine farbliche Berechnung, sondern ein reines โ€žphysikalisches Auslesenโ€œ der Intensitรคt. Das Ergebnis ist ein schรคrferes, kontrastreicheres Monochrom-Bild. Kleine Kraterstrukturen, Schattenrรคnder und Helligkeitsverlรคufe erscheinen klarer, weil kein Algorithmus sie mehr weichzeichnet.

Dieses Vorgehensweise verbessert die Schรคrfe, erreicht jedoch nicht die Qualitรคt eines echten Monochrom-Sensors, wie er beispielsweise in den Leica-Monochrom-Modellen verbaut ist. Diese Sensoren arbeiten ohne Farbfilter und liefern dadurch eine nochmals deutlich hรถhere Detailauflรถsung – ein Thema, das ich in einem eigenen Artikel nรคher beleuchten will.

Ob sich die hรถhere theoretische Schรคrfe beim Durchschleifen (monochrom) tatsรคchlich sichtbar zeigt, hรคngt letztlich vom Motiv und der Lichtverteilung ab. Bei der Mondfotografie wird in der Praxis fast ausschlieรŸlich der grรผne Kanal aktiv genutzt, da dieser die hรถchste Empfindlichkeit und die feinste Luminanzauflรถsung liefert. Das spielt dem X-Trans-Sensor in meiner Fujifilm X-T5 in die Karten: Im Gegensatz zum klassischen Bayer-Muster, das ein regelmรครŸiges 2ร—2-Farbmuster besitzt, ist das X-Trans-Raster rรคumlich anders aufgebaut und verteilt die Grรผn-Pixel dichter und unregelmรครŸiger รผber die Sensorflรคche.
Dadurch entsteht eine gleichmรครŸigere Helligkeitsabtastung, was bei monochromatischer Auswertung (wie dem urchschleifen)
eine theoretisch hรถhere Detailauflรถsung ermรถglicht.

Vereinfacht gesagt: Bei gleicher nomineller Auflรถsung sollte der X-Trans-Sensor den Mond feiner erfassen kรถnnen als ein gleich auflรถsender Bayer-Sensor – vorausgesetzt, das Bild wird monochrom ausgewertet und das Demosaicing unterdrรผckt.

Wissen: Frรผhstรผck bei TIFFany– Update 04.11.2025

Wenn Bilddaten mรถglichst verlustfrei und in einer Form weitergegeben werden sollen, die dem Charakter einer RAW-Datei am nรคchsten kommt, ist das TIFF-Format (Tagged Image File Format) die beste Wahl. Wรคhrend eine RAW-Datei die reinen Sensordaten enthรคlt – also eine Art Messwerttabelle des Sensors ohne festgelegten Farbraum oder Tonwertinterpretation-, stellt eine TIFF-Datei bereits ein entwickeltes, aber dennoch unkomprimiertes oder verlustfrei komprimiertes Bild dar. Sie dient somit als hochwertige Brรผcke zur Weiterleitung von Bilddaten.

Das TIFF-Format unterstรผtzt verschiedene Bittiefen:

  • 8 Bit pro Kanal fรผr Standardanwendungen und Webdarstellung,
  • 16 Bit pro Kanal fรผr professionelle Fotobearbeitung mit erweitertem Dynamikumfang,
  • 32 Bit (Float) fรผr wissenschaftliche oder HDR-Anwendungen mit maximaler Prรคzision.

Dank dieser Flexibilitรคt kann eine TIFF-Datei fast alle Farb- und Helligkeitsinformationen der ursprรผnglichen RAW-Datei erhalten. Sie ist im Gegensatz zu RAW universell lesbar, farbverwaltet und unterstรผtzt Farbrรคume wie ProPhoto RGB oder Rec.2020. Damit eignet sie sich ideal fรผr den Austausch zwischen Programmen wie Darktable, GIMP oder Photoshop.

Wissen: Entwicklungshilfe beim „Entwickeln“– Update 07.01.2026

Ich habe festgestellt, dass der Begriff โ€žEntwickelnโ€œ sehr unterschiedlich verwendet wird – mal weit, mal enger gefasst. Fรผr mich bedeutet โ€žentwickelnโ€œ in der digitalen Fotografie eindeutig die Umwandlung von RAW-Daten in ein sichtbares Bild. Eine RAW-Datei ist im Grunde nichts anderes als eine Messwerttabelle des Sensors – also kein Foto, sondern reine Messdaten. Erst durch das Entwickeln entstehen รผberhaupt Farben, Kontraste und Helligkeiten. Bei der Bearbeitung einer JPEG, Tiff oder wie auch immer-Datei, die ja bereits ein fertiges Bild enthรคlt, wรผrde ich deshalb nicht mehr von โ€žEntwickelnโ€œ, sondern von Bildbearbeitung sprechen.

Rasterfahndung mit Darktable (Demosaicing fรผr X-Trans-Sensoren)– Update 06.11.2025

Bei einem Besuch im Schaulager Basel wรคhrend einer Ausstellung von Steve McQueen fotografierte ich Portrรคts in einfarbig beleuchteten Rรคumen. Im roten Raum zeigte sich dabei ein deutlicher Schรคrfeverlust, der sich vermutlich nicht auf den Autofokus zurรผckfรผhren lรคsst. Der Grund liegt wohl eher im Aufbau des X-Trans-Sensors meiner Fujifilm X-T5. Der Sensor nutzt ein Farbfiltermuster mit 50 % Grรผn-, 25 % Rot- und 25 % Blau-Pixeln. Die nachfolgenden Bilder zeigen den Unterschied zwischen dem Farbfiltermuster eines Bayer-Sensors zu dem eines x-Trans-Sensors:

Da jeder Pixel nur eine Farbe registriert, wird das vollstรคndige Bild erst durch das Verfahren des Demosaicing (Entยญrastern) errechnet. Bei monochromatischer Beleuchtung, etwa unter Rotlicht, wird fast ausschlieรŸlich der Rotkanal aktiviert. Grรผn- und Blau-Pixel liefern kaum Signal – dadurch verringert sich die Detailauflรถsung, das Bild wirkt weicher, das Rauschen nimmt zu. In Darktable lรคsst sich allerdings das Entยญrastern von Rohdaten gezielt steuern. Das Modul โ€žEntยญrasternโ€œ / „Demosaicing“ bietet mehrere Verfahren, um Farbkanal-Ungleichgewichte zu kompensieren.

MethodeKurzbeschreibungEmpfehlung
VNGKlassisch, weich, stabilGleichmรครŸige Flรคchen
Markesteijn 1-malSchnell, detailarmNur fรผr Vorschau
Markesteijn 3-PassStandard, detailreichNormales Licht
FDCFrequenzbasiert, empfindlich bei MonolichtFarbreiche Szenen
Markesteijn 3-Pass (dual)Sanft, stabil, farbtreuRotlicht & monochrome Szenen
Durchschleifen (monochrom)Kein Demosaicing, reines SW-BildBewusst monochrom
Farbe des SensorpixelsTestdarstellungDebugging

Hinweise:

Das Demosaicing-Verfahren ist im Grunde ein Korrekturalgorithmus. Es extrahiert aus den 40,2 Millionen Pixel meiner Fuji XT5 in Darktable 10,05 Millionen Farbstรผtzstellen, um die Farben der einzelnen Pixel zu glรคtten, sodass am Ende des Entwicklungsprozesses ein Bild mit 40,2 Millionen angepassten Bildpunkte entsteht.

Analogie: Mon dieu – Dynamische Bildsymetrie – Update 09.10.2025

Die Linien der dynamischen Bildsymmetrie lassen sich anschaulich mit den Faltungslinien eines Blattes Papier vergleichen. Faltet man ein Blatt entlang der Mittelachse, der Diagonalen oder in kleineren Teilungen, entstehen geometrische Bezugslinien, die das Blattformat untergliedern. รœbertrรคgt man dieses Prinzip auf ein Bild, so dienen die Symmetrie- bzw. Faltungslinien als Orientierungen, an denen sich Bildinhalte ausrichten, ordnen oder bewusst brechen lassen.

Der Vorteil dieser Analogie liegt in der Verstรคndlichkeit: Jeder kennt das Falten von Papier und kann die entstehenden Achsen unmittelbar nachvollziehen. Damit wird das abstrakte Konzept der dynamischen Bildsymmetrie greifbarer, da es im Kern ebenfalls darum geht, mittels Geometrie ein vorgegebenes Rechteckformat durch innere Linien zu strukturieren.

Am Ende lรคuft alles darauf hinaus, die Bildinhalte so zu organisieren, dass sie in einem klaren Bezug zum Bildrahmen und zum Bildformat stehen. Dies lรคsst sich wahlweise durch Geometrieprogramme, mit Lineal und Bleistift oder ganz einfach durch das Falten von Papier erreichen.

Nachfolgend habe ich ein Beispiel dargestellt zu einem Bild von mir, das ich โ€žMon Dieu en Visiteurโ€œ genannt habe. In diesem Bild lรคsst sich eindrucksvoll nachvollziehen, wie die barocke Diagonale und ihre Umkehrung – genau wie die Akteure in der Bildstory – aufeinandertreffen oder wie im Falle des Schattens eine verbindende Wirkung haben. Gerade durch die Ansรคtze der dynamischen Bildsymmetrie wird das Bild so strukturiert, dass die Motive nicht nur eine Ordnung und einen Bezug zum Bildformat erhalten, sondern in ihrer Wirkung zusรคtzlich unterstrichen und noch deutlicher hervorgehoben werden.

Impuls: Haltung bewahren!– Update 06.10.2025

Die nachfolgende Skizze macht fรผr mich deutlich, wie sich die Reichhaltigkeit der Fotografie noch einmal erweitern lรคsst. Bislang habe ich diese Vielfalt neben der Bildgestaltung vor allem in drei Bereichen gesehen:

  • in den fotografischen Techniken und Stilen – etwa ICM, Langzeit- und Mehrfachbelichtung, High-Speed, Alignment oder Bracketing,
  • in der Kameraausrรผstung – vom Smartphone รผber die Systemkamera bis hin zu den verschiedensten Objektiven,
  • und im Genre โ€“ sei es Natur, Architektur, Street oder Portrait, jedes mit seiner eigenen Bildsprache.

All das hat bisher mein Spektrum bestimmt. Doch nun kommt eine weitere Ebene hinzu: die typische Fotografierhaltung – ob Overhead, Eye Level, Waist Level oder Low Angle. Jede Haltung verรคndert den Blick auf das Motiv und verleiht dem Bild eine neue Wirkung – oder was meint ihr dazu?

Man kรถnnte es fast wie eine kleine Formel ausdrรผcken („x“ bedeutet „kombiniert“):
Bildvariation = Genre ร— Ausrรผstung ร— Fotografierstil ร— Haltung des Fotografen

Die Haltungen scheint mir also ein gleichwertiger Baustein zu sein, der die Reichhaltigkeit der Fotografie erweitert und noch mehr Mรถglichkeiten erรถffnet, bewusst Bilder unterschiedlich zu gestalten.

Heureka: Ausflug in die Tierfotografie – Taubenschwรคnzchen

Fotografie von Taubenschwรคnzchen in Kroatien und Frankreich

Aufsatz: Immersivitรคt als semantischer Faktor– Update 15.08.2025

Immersivitรคt in Bildern bezeichnet das Gefรผhl, als Betrachter nicht nur auf eine Szene zu schauen, sondern sich mitten in ihr zu befinden – umgeben von Raum, Bewegung und Atmosphรคre, sodass die Grenze zwischen Beobachten und Teilhaben verschwimmt.

In der Betrachtung von Immersivitรคt lassen sich zwei grundsรคtzliche Ebenen unterscheiden: die perzeptiven und die semantischen Faktoren. Perzeptive Faktoren beschreiben, wie wir Immersivitรคt sinnlich erleben. Dazu zรคhlen etwa die Auflรถsung perspektivischer Ordnung zugunsten einer bloรŸen Tiefenbedingung, das Erleben von Nรคhe, ร„hnlichkeiten, Parallelitรคt oder Synchronizitรคt im Sinn der Gestalttheorie sowie stoffliche Eigenschaften wie Schwebteilchen, Lichtstreuung, die den Raum atmosphรคrisch aufladen (S. Artikel zuvor).

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Die semantische Analyse der Immersivitรคt hingegen fragt nach der Bedeutungsebene der Bildelemente und nach der Wechselwirkung: Was reprรคsentieren die Elemente im Bild und welche Rolle nehmen sie im Gesamtzustand ein? Hier tritt die Wechselwirkung in den Vordergrund – das dynamische Verhรคltnis zwischen den Eigenschaften der Handlungstrรคger/Bildobjekte und dem Zustand des Raumes. Immersivitรคt entsteht, wenn Eigenschaften und Zustand sich angleichen, sich gegenseitig prรคgen und zu einer gemeinsamen Bedeutungsstruktur verschmelzen.

In diesem Prozess entsteht eine gewรผnschte Anonymitรคt zugunsten der Immersivitรคt.: Einzelne Elemente – seien es Personen oder Objekte – verlieren ihre individuelle Erkennbarkeit, werden neutralisiert und treten in ihrer Rolle als Hauptmerkmal zurรผck. Sie wirken nicht mehr als autonome Handlungstrรคger, sondern als gleichberechtigte Bestandteile eines atmosphรคrischen Ganzen. Der Betrachter folgt nicht mehr primรคr einer Handlung, sondern wird Teil eines Zustands, in dem die Unterscheidung zwischen Figur und Grund zunehmend aufgehoben ist.

>>> Siehe auch (-bitte vorher lesen):

  • Gestaltungselemente im รœbergang von perspektivischer Ordnung zur Immersion
  • Fรผnf Arten von Immersion – ein Ansatz zur Wahrnehmung in der Fotografie
  • Frรคulein Smillas Gespรผr fรผr Schnee und die Gestalttheorie

Tool: Darktable– Update 12.08.2025

Wer sich ernsthaft mit Fotografie beschรคftigt, landet frรผher oder spรคter bei der Frage: Mit welcher Software bearbeite ich meine Bilder? Fรผr mich war die Antwort klar โ€“ Darktable. Nicht, weil es das einfachste Programm ist, sondern weil es mir als Open-Source-Tool alle Freiheiten gibt, meine Fotos so zu gestalten, wie ich es will – ohne Abo, ohne Einschrรคnkungen, mit voller Kontrolle. Darktable gilt bei manchen als komplex und kompliziert – so hรถrt man es in YouTube-Kanรคlen oder von Bekannten, die es mit anderen Programmen vergleichen.

Komplex ist, wenn man vor lauter Bรคumen den Wald nicht mehr sieht. Kompliziert ist, wenn diese Bรคume auch noch sehr hoch sind und die Baumkronen schwer zu erreichen. Vor etwa anderthalb Jahren habe ich selbst noch mit einer Handy-App gearbeitet โ€“ Snapseed. Ich verband meine Kamera mit dem Smartphone, รผbertrug die Bilder und bearbeitete sie direkt auf dem kleinen Bildschirm: ein bisschen zuschneiden, Kontrast anpassen, Farbsรคttigung โ€“ die Basics eben. Mit dem Eintritt in den Fotoclub merkte ich schnell: Hier reden alle von Photoshop, Lightroom und Co. Das konnte ich nicht einfach so stehen lassen und begab mich auf die Suche nach einer ernstzunehmenden Bildbearbeitungssoftware. Weil ich ein Herz fรผr Open-Source-Software habe โ€“ ich arbeite z. B. auch mit QGIS und Thunderbird – landete ich schnell bei Darktable. Schon der Name hatte mich irgendwie getriggert. Also habe ich mich eingearbeitet – und ja: Darktable ist tatsรคchlich komplex und auch ein Stรผck weit kompliziert. Aber ist Bildbearbeitung nicht generell beides? Darktable begegnet allerdings dieser Komplexitรคt auf eine sehr durchdachte Weise:

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  • Klar strukturierte Arbeitsbereiche: Leuchttisch und Dunkelkammer. Das sorgt fรผr Orientierung.
  • Befehlszeile als Power-Tool – Wer lieber direkt den Namen eines Befehls eintippt (z. B. โ€žZuschneidenโ€œ oder โ€žFarbbalance RGBโ€œ), spart sich das lange Suchen in Menรผs. Gleichzeitig prรคgt sich das Vokabular ein, und man bekommt ein gutes Gefรผhl fรผr die Werkzeuge.
  • Individuell anpassbare Oberflรคche โ€“ durch eigene Workflows lassen sich die wichtigsten Module zu einer persรถnlichen Arbeitsumgebung zusammenstellen. Das hilft beim Lernen und beschleunigt die Arbeit.
  • Voreinstellungen fรผr Module โ€“ optimierte Parameter lassen sich speichern und bei รคhnlichen Bilderserien sofort wieder anwenden.
  • Non-destruktives Arbeiten โ€“ das Original bleibt immer erhalten.
  • Bildvarianten ohne zusรคtzliches Datenvolumen โ€“ gerade auf schwรคcheren Rechnern ein echter Pluspunkt.

BASISBEFEHLE FรœR DEN EINSTIEG IN DARKTABLE:

  • Geometrische Befehle: Zuschneiden, Drehen, Ausrichten
  • Grundlegende Bildanpassungen: Belichtung, WeiรŸabgleich
  • Farb- und Kontrastwerkzeuge: Farbbalance RGB (umfassendes Werkzeug fรผr Farbtemperatur, Tรถnung, Sรคttigung und Kontrast), Farbkurve RGB (feine Anpassung von Helligkeit und Kontrast), Farbkorrektur
  • Weitere nรผtzliche Werkzeuge: Entrauschen, Retusche

Mein Tipp zum Schluss:
Die Bearbeitung von JPEG-Dateien ist oft deutlich einfacher, da euer Smartphone oder die Kamera, dass meiste bereits erledigt hat und man meist nur geometrische Befehle wie Zuschneiden, Drehen oder Ausrichten benรถtigt. Die Bearbeitung von RAW-Dateien hingegen erfordert mehr Einarbeitung โ€“ und genau hier spielt Darktable seine Stรคrken aus.

Aufsatz: Frรคulein Smillas Gespรผr fรผr Schnee und die Gestalttheorie– Update 25.07.2025

Zugegeben โ€“ der Titel dieses Aufsatzes wirkt auf den ersten Blick etwas ungewรถhnlich. Doch er bringt etwas zum Ausdruck, das sich in meiner fotografischen Arbeit in letzter Zeit immer deutlicher herauskristallisiert hat: Ich versuche zunehmend ein Gespรผr fรผr die Struktur von Immersivitรคt zu entwickeln โ€“ so wie in dem gleichnamigen Roman Frรคulein Smilla eine besondere Sensibilitรคt fรผr feine Strukturen im Schnee zugeschrieben wird. Es geht nicht um Wissen im klassischen Sinne, sondern um eine Form der Wahrnehmung, die zwischen Intuition und Analyse pendelt.

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In zwei bereits verรถffentlichten Aufsรคtzen habe ich versucht, verschiedene Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen ein Bild immersiv wird โ€“ also ein Bild, das nicht nur betrachtet, sondern betreten und erlebt werden kann; ein Bild, in das ich hineingezogen werde. Diese Bedingungen habe ich im Folgenden noch einmal skizziert, da sie in meinen รœberlegungen starke Verbindungen zur Gestalttheorie haben. Ich gehe auch kurz auf die Gesetze der Gestalttheorie ein und versuche danach, beide Ansรคtze in einen gemeinsamen Rahmen zu stellen. Dabei fiel mir auf, dass es zwischen den Bedingungen immersiver Bildwirkung und den Gesetzen der Gestalttheorie Parallelen gibt: Beide Systeme beschreiben Wahrnehmungsmuster, die aus einzelnen Elementen einen sinnhaften Zusammenhang erzeugen. Diese Nรคhe war fรผr mich Anlass genug, beide Ansรคtze nicht isoliert zu betrachten, sondern auf ihre mรถgliche wechselseitige Ergรคnzung hin zu untersuchen.

Immersivitรคt โ€“ fรผnf zentrale Bedingungen

  • Eintrittskarten: Bildgestalterische Zugรคnge
    Immersion wird zunรคchst oft durch klare gestalterische Mittel ermรถglicht: etwa durch fรผhrende Linien oder die Drittelregel, die dem Blick eine Richtung geben und ihn ins Bild โ€žhineinziehenโ€œ. Diese Elemente wirken wie visuelle Tรผren โ€“ sie machen das Bild betretbar.
  • Geometriebedingung: Die Unlesbarkeit des Raums
    Immersivitรคt entsteht besonders dort, wo der Raum nicht konstruktiv erfassbar ist. Perspektivische Klarheit erzeugt Ordnung โ€“ aber zu viel Ordnung verhindert das Eintauchen. Es bleibt eine Tiefenbedingung, keine Geometrie.
  • Erkenntnisbasierte Immersion
    Wenn ich im Bild eine Handlung sehe, die mir bekannt ist โ€“ z.โ€ฏB. wenn andere etwas tun, was ich selbst auch tue โ€“, entsteht eine geteilte Wirklichkeit. Auch das kann ein Moment immersiver Verbindung sein.
  • Synchronisierung und Handlungsparallelitรคt
    Eine besonders starke Form der Immersion tritt ein, wenn ich mich als Fotograf in Bewegung, Richtung oder Geste an das Geschehen angleiche โ€“ wie bei der pantomimischen Verfolgung eines Motivs. Die Kamera wird zum Kรถrper.
  • Das Medium wird stofflich
    Immersion entsteht auch, wenn das Medium selbst โ€“ Luft und Wasser โ€“ nicht mehr neutral und durchsichtig bleibt, sondern durch Partikel und Licht fast kรถrperlich erfahrbar und stofflich wird.

Die Gesetze der Gestalttheorie

Die Gestalttheorie beschรคftigt sich mit der Frage, wie wir Wahrnehmung organisieren. Statt einzelne Reize isoliert zu verarbeiten, erkennt unsere Wahrnehmung zunรคchst das Muster als Einheit und erst in zweiter Linie die Komponenten โ€“ wir sehen zuvorderst Gestalten, nicht Details.

Zentrale Gestaltgesetze sind:

  • Gesetz der Nรคhe (Verklumpung) โ€“ Was nahe beieinander liegt, wird als zusammengehรถrig wahrgenommen.
  • Gesetz der ร„hnlichkeit (Verwandschaft) โ€“ ร„hnliche Formen oder Farben werden gruppiert.
  • Gesetz der guten Fortsetzung (Pfadfinder) โ€“ Linien oder Bewegungen, die logisch weitergehen, wirken verbunden.
  • Gesetz der gemeinsamen Bewegung (Schwarm) โ€“ Dinge, die sich gleich bewegen, erscheinen als Einheit.
  • Gesetz der Geschlossenheit (Komplettierung) โ€“ Unvollstรคndige Formen werden als geschlossen ergรคnzt.
  • Figur-Grund-Prinzip (Visueller Auftrieb) โ€“ Das Auge trennt Vordergrund und Hintergrund automatisch.

Gerade diese Gesetze zeigen eine besondere Nรคhe zur Immersivitรคt, denn sie beschreiben Beziehungsmuster, in die wir als Wahrnehmende eintauchen kรถnnen. Wenn ich zum Beispiel eine Gruppe รคhnlicher Elemente erkenne (Gesetz der ร„hnlichkeit), dann bin ich mรถglicherweise Teil einer Ordnung, die diese ร„hnlichkeit stiftet. Oder wenn sich mehrere Elemente synchron bewegen (Gesetz der gemeinsamen Bewegung), entsteht eine dynamische Einheit, in die ich mich โ€“ etwa als Fotograf โ€“ mit einklinken kann. Die Gestaltgesetze beschreiben damit nicht nur das, was gesehen wird, sondern auch, wie ich mich in dieses Muster einfรผgen, mich darin aufhalten oder mitbewegen kann. Genau darin liegt ihr immersives Potenzial. Selbst das Figur-Grund-Prinzip hat ein immersives Potenzial, wenn Figur und Grund sich angleichen bzw. sich kaum von einander abheben.

Mรถglichkeit 1: Gestaltgesetze als Detektoren fรผr Immersivitรคt

Was mich nun interessiert: Kรถnnen die Gestaltgesetze als โ€žSensorenโ€œ verwendet werden, die mir anzeigen, wo ein immersiver Raum entsteht โ€“ wo also das jeweilige Gestaltgesetz selbst zum erfahrbaren Raum wird? Typischerweise geschieht das so, dass ich etwa von auรŸen eine Parallelitรคt erkenne oder eine rhythmische Bewegung โ€“ dann wirkt das wie ein visueller Hinweis, ein Indikator, der mir signalisiert: โ€žHier findet Immersivitรคt statt โ€“ betritt, erlebe und fotografiere diesen Raum.โ€œ Ich verlagere mich aktiv in einen Raum, den die Gestaltgesetze mir signalisieren.

Mรถglichkeit 2: Die Intuition als immersiver Moment

Noch interessanter wird es, wenn ich mich bereits unbewusst in der Immersivitรคt befinde und nur einen Verdacht fรผr das Vorliegen eines oder mehrerer Gestaltgesetze empfinde: eine mรถgliche ร„hnlichkeit, eine angedeutete Fortsetzung, eine leichte Bewegung. In diesem Moment analysiere ich nicht mehr โ€“ ich befinde mich innerhalb einer Ordnung und resoniere mit meiner Umgebung; Fรผr mich ein hoch immersiver Zustand! Hier wird der Vergleich mit Frรคulein Smilla bedeutsam: Sie erkennt nicht bloรŸ Schneespuren โ€“ sie fรผhlt sie, liest sie mit einer Art innerem Sinn. Nicht rational, sondern ganzheitlich.

Fazit

Die Gesetze der Gestalttheorie sind Regeln und Signale, die einen โ€žDual Useโ€œ-Charakter aufweisen: Entweder in ihrer analytischen Form als „Detektoren“ der – oder in ihrer intuitiven Form als Verkรถrperung von Immersivitรคt. Hier wachsen am Ende auf eine ganz besondere Weise Analyse und Intuition zu einem gemeinsamen Zugang zur Bildwirklichkeit zusammen.

>>> Hinweis: Synthese folgt noch!

>>> Siehe auch die Artikel zu:

  • Fรผnf Arten von Immersion
  • Gestaltungselemente im รœbergang von perspektivischer Ordnung zur Immersion

Passion Mond

Der Mond hat mich schon immer in seinen Bann gezogen. Seit ich eine Kamera besitze und รผber ein 400โ€ฏmm-Objektiv mit Extender verfรผge, nutze ich jede Gelegenheit, ihn in seiner vollen Pracht festzuhalten. Es ist fรผr mich jedes Mal ein kleines Abenteuer, nach der perfekten Schรคrfe und den besten atmosphรคrischen Bedingungen zu suchen โ€“ immer in der Hoffnung, noch das letzte Quรคntchen an Klarheit herauszuholen.

Besonders spannend wird es, wenn ich den Mond in Beziehung zu anderen Motiven setzen kann: etwa, wenn er sich hinter einem Riesenrad befindet, in einem Baukran auftaucht oder knapp รผber dem Horizont schwebt. Solche Kombinationen schaffen fรผr mich eine besondere Bildsprache, die ich immer wieder neu entdecke.

Die Galerie wรคchst kontinuierlich โ€“ ich freue mich, hier nach und nach weitere Mondbilder zeigen zu kรถnnen.

Das Rollenspiel โ€žDer arme Galeristโ€œ โ€“ eine alternative Form der Bildkritik

Wie kรถnnen wir รผber Fotos sprechen, ohne den Menschen dahinter bloรŸzustellen? Wie schaffen wir eine Bildkritik, die gleichzeitig spielerisch, respektvoll und lehrreich ist? Gerade in meiner Anfangszeit im Fotoclub habe ich mir diese Fragen oft gestellt.
Der Wunsch nach einem konstruktiven, kreativen und wertschรคtzenden Umgang mit Bildern hat mich dazu inspiriert, ein eigenes Format zu entwickeln: das Rollenspiel โ€žDer arme Galeristโ€œ.

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Worum geht es? โ€žDer arme Galeristโ€œ ist ein interaktives Rollenspiel, das klassische Bildbesprechungen in einen neuen, spielerischen Rahmen stellt. Das Ziel ist es, den Fokus weg von der direkten Bewertung des Kรผnstlers zu lenken โ€“ hin zur erzรคhlerischen Auseinandersetzung mit dem Bild durch die Betrachter bzw. Galeristen.

Statt klassischer Kritik formulieren die Bildbesprecher (die Galeristen) Geschichten, Deutungen und Ideen, um das Bild fรผr sich zu gewinnen. So entsteht ein Perspektivwechsel: Der Kรผnstler hรถrt zu, ist aber nicht im Mittelpunkt mรถglicher Kritik.
Stattdessen รผbernehmen die Bildbesprecher mehr Verantwortung, indem sie das Bild durch ihre erzรคhlerische Auseinandersetzung selbst bewerten โ€“ und sich so der Kritik des Kรผnstlers stellen.

Vorteile des Spiels:

  • Weiterdenken von Bildideen: Entwicklungsmรถglichkeiten werden im Serienkonzept aufgegriffen
  • Schutz des Kรผnstlers: Kein Rechtfertigungsdruck, keine direkte Konfrontation
  • Kreative Auseinandersetzung: Bildkritik erfolgt in erzรคhlerischer, positiver Form
  • Fรถrderung fotografischer Kompetenz: Kriterien wie Komposition, Licht oder Farbe werden aktiv angewendet
  • Stรคrkung der Bildsprache: Spielerisch lernen, รผber Bilder zu sprechen

Wie lรคuft so ein Abend ab?

Ein Mitglied โ€“ heute in der Rolle des Kรผnstlers โ€“ reicht ein Bild zur Besprechung ein. Ohne Einleitung, ohne Kommentar, ohne Verteidigung. Das Bild steht ganz fรผr sich.

Dann beginnt das Spiel. Fรผnf Teilnehmer รผbernehmen die Rolle der Galeristen. Sie alle haben ein Ziel: Sie mรผssen dringend eine Ausstellung organisieren โ€“ denn nur so lรคsst sich endlich wieder Geld verdienen. Und genau dieses eine Bild soll der Auftakt ihrer nรคchsten Erfolgsreihe werden.

Einer nach dem anderen beginnt, fรผr das Bild zu werben. Nicht wahllos oder beliebig, sondern mit einer kurzen, frei erfundenen Geschichte, die deutlich macht, was sie in dem Bild erkennen, was es auslรถst und wie es sich in eine Ausstellung einfรผgen lieรŸe.
Fotografische Kriterien wie Bildaufbau, Licht, Farbe oder Motividee flieรŸen dabei fast beilรคufig in die Erzรคhlung ein โ€“ verpackt in eine persรถnliche Deutung.

Ziel ist es, den Kรผnstler zu รผberzeugen. Am Ende entscheidet er, welchem Galeristen er das Bild symbolisch โ€žverkauftโ€œ, also wessen Geschichte ihn am meisten berรผhrt oder รผberzeugt hat.

Doch das Spiel ist damit noch nicht vorbei. Die รผbrigen Galeristen entwickeln nun auf Grundlage des Bildes ein Konzept fรผr eine mรถgliche Bilderserie โ€“ mit dem Ziel, das Potenzial des Ausgangsbilds weiterzudenken und gleichzeitig Verbesserungsvorschlรคge einflieรŸen zu lassen. Der Galerist, der das Bild erhalten hat, wรคhlt abschlieรŸend das รผberzeugendste Serienkonzept aus.

Die Rollen im Spiel

  • Kรผnstler
    Reicht das Bild ein. Gibt keine Einfรผhrung. Wรคhlt spรคter die รผberzeugendste Geschichte (symbolischer Bildverkauf) und das beste Serienkonzept.
  • Galeristen (5 Personen)
    Erzรคhlen je eine kurze Geschichte, in der sie das Bild interpretieren und bewerben. Danach entwickeln sie โ€“ bis auf den Kรคufer โ€“ Serienkonzepte zur Weiterentwicklung.

Der Ablauf in 6 Schritten

  1. Bildprรคsentation
    Der Kรผnstler zeigt ein Bild โ€“ ohne Worte. Es spricht fรผr sich selbst.
  2. Galeristen erzรคhlen Geschichten
    Jeder Galerist versucht mit einer kurzen Geschichte, das Bild โ€žzu kaufenโ€œ โ€“ auf Grundlage fotografischer Deutung.
  3. Symbolischer Bildverkauf
    Der Kรผnstler entscheidet, wessen Geschichte ihn am meisten รผberzeugt, und โ€žverkauftโ€œ dem Galeristen symbolisch das Bild.
  4. Serienkonzepte
    Die รผbrigen Galeristen entwerfen je ein Konzept fรผr eine mรถgliche Bildserie, inklusive Verbesserungsvorschlรคgen.
  5. Auswahl des besten Konzepts
    Der Galerist, der das Bild erhalten hat, wรคhlt das รผberzeugendste Serienkonzept aus.
  6. Abschluss
    Die gesammelten Ideen dienen dem Kรผnstler als Anregung zur fotografischen Weiterentwicklung.

Tool: ObjektgrรถรŸe und Schรคrfentiefe– Update 08.07.2025

Die folgenden Diagramme dienen dazu, Objekte unterschiedlicher Tiefenausdehnung โ€“ etwa Blรผten, Insekten oder Pflanzen โ€“ in Abhรคngigkeit von Fokusabstand und Blendenzahl gezielt innerhalb der Schรคrfentiefe zu erfassen. Ziel ist es, mit dem 27โ€ฏmm APS-C-Objektiv (Zerstreuungskreis 0,016โ€ฏmm) eine verlรคssliche fotografische Schรคrfe fรผr Motive in bestimmten GrรถรŸenklassen zu erreichen โ€“ beispielsweise 5โ€ฏcm, 10โ€ฏcm, 50โ€ฏcm oder 100โ€ฏcm.

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Die X-Achse zeigt den Fokusabstand in Metern, die Y-Achse die dafรผr erforderliche Blendenzahl. Jede Kurve entspricht einer konstanten Schรคrfentiefe. So lรคsst sich beispielsweise ablesen, mit welcher Blende man arbeiten muss, um ein Objekt mit 10โ€ฏcm Tiefe bei 0,7โ€ฏm Fokusabstand vollstรคndig scharf abzubilden.

Umgekehrt lรคsst sich auch bestimmen, welchen Fokusabstand man einnehmen sollte, wenn aufgrund der Lichtverhรคltnisse nur eine bestimmte Blendenzahl zur Verfรผgung steht โ€“ z.โ€ฏB. f/5.6. Auf diese Weise kann man seine Bildgestaltung flexibel an die gegebenen technischen Einschrรคnkungen anpassen, ohne die gewรผnschte Schรคrfentiefe zu verlieren.

Wichtig: Die Diagramme basieren auf den optischen Gesetzen klassischer Fern- oder Standardobjektive. Sie gelten daher nicht fรผr Makroobjektive im Nahbereich. Bei sehr kurzen Fokusdistanzen (typisch unter 0,3โ€ฏm) verรคndern sich die Strahlengรคnge und Abbildungsgesetze, sodass andere Berechnungen notwendig werden.

Die Diagramme sind deshalb vorrangig fรผr die Nah- und Standarddistanz im Bereich dokumentarischer Naturfotografie, kleiner Motive und Detailstudien gedacht โ€“ jedoch nicht fรผr den maรŸstabgetreuen Makrobereich.

Zusammengefasst: Die hier verwendeten Formeln gelten fรผr klassische (nicht-makroskopische) Objektive. Sie basieren auf geometrischer Optik (Linsengleichung und Strahlensatz). Der CoC (Circle of Confusion) ist ein willkรผrlich gewรคhlter Grenzwert fรผr akzeptierte Unschรคrfe; bei Vollformat mit 0,030mm mit Cropfaktor 1,5 = ca. 0,016mm fรผr APSC.

Alle Diagramme wurden in Excel erstellt und kรถnnen angepasst werden. Bitte testen und Vorschlรคge an (st.scheurer@gmail.com). Ich werde die Diagramme noch fรผr andere Objektive aufbereiten! APSC (27, 50, 75, 100, 200 mm) gibt es schon!

DOF dof1000mm-apsc27mm

Bild von

DOF = Deep of Field = Schรคrfentiefe ObjektgrรถรŸe: 1.000mm COC = 0,016mm

Ausflug in die Tierfotografie – Schmetterlinge

Bisher war Tierfotografie nie wirklich mein Thema. Ich habe mich fotografisch eher mit ICM, Architektur, Landschaften oder Mehrfachbelichtungen beschรคftigt. Doch wรคhrend eines Urlaubs in Kroatien ergab sich spontan die Gelegenheit, Schmetterlinge zu fotografieren. Ohne spezielles Equipment โ€“ aber mit viel SpaรŸ sind Bilder entstanden, die mich selbst รผberrascht haben โ€“ und vielleicht den Anfang einer neuen fotografischen Richtung markieren.

Aufsatz: Fรผnf Arten von Immersion โ€“ ein Ansatz zur Wahrnehmung in der Fotografie – Update 02.07.2025

Immersion beschreibt nicht nur, dass ich โ€ždrinโ€œ bin, sondern wie ich eingebunden bin โ€“ und auf welcher Ebene mein Kรถrper, mein Bewusstsein oder mein Handeln mit einem Raum oder Objekt in Beziehung tritt. Ausgehend von der klassischen rรคumlichen Positionierung (innerhalb, auรŸerhalb, oberhalb, unterhalb) lรคsst sich Immersion nicht mehr allein geometrisch denken. Sie muss um weitere Kategorien erweitert werden, die der realen Wahrnehmung und Bewegung im Raum besser gerecht werden.

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Ich unterscheide daher fรผnf Formen der Immersion: geometrisch, erkenntnisbezogen, richtungsbezogen, atmosphรคrisch und zeitbezogen.

1. Immersion durch Geometrie โ€“ Ich bin innerhalb

Diese Form von Immersion entsteht durch eine kรถrperlich erfahrbare UmschlieรŸung: Ich befinde mich innerhalb eines Raums, dessen Wรคnde, Decken oder Grenzen mich einhรผllen โ€“ nicht im Sinne einer sichtbar konstruierten Ordnung, sondern als spรผrbare Prรคsenz.

Fรผr die fotografische Darstellung bedeutet das: Der Raum muss und sollte auch nicht durch klare Perspektivlinien definiert oder vollstรคndig sichtbar gemacht werden. Im Gegenteil: Je stรคrker sich der Raum konstruktiv lesen lรคsst, desto mehr verliert er seine immersive Kraft. Denn perspektivische Ordnung erzeugt รœberblick โ€“ und รœberblick ist das Gegenteil von Eintauchen.

Die geometrische Immersion lebt davon, dass der Raum nicht in seiner Struktur erklรคrt, sondern in seiner Wirkung angedeutet wird. Der Bildraum oder der Sichtkegel darf eng, dunkel, flach oder unbestimmt sein. Die Decke muss nicht sichtbar sein โ€“ es genรผgt die Andeutung, dass sie da ist. Die Wand kann nur durch Schatten, Kanten oder Lichtfall erahnbar werden.

2. Immersion durch Erkenntnis โ€“ Ich bin inmitten

Hier bin ich Teil eines sozialen oder bewegten Zusammenhangs. Die Geometrie tritt in den Hintergrund, stattdessen bin ich eingebunden in ein Feld von Beziehungen oder ein lebendiges Geschehen. Ich erkenne mich selbst als Teil eines grรถรŸeren Ganzen โ€“ nicht durch Einfassung, sondern durch Teilnahme.

Beispiele: Ich befinde mich auf einem Platz in einer Menschenmenge, in einer Passage, in einem Schwarm. In der Fotografie entsteht diese Form der Immersion durch Nรคhe, Dichte, Subjektivitรคt und Atmosphรคre.

Die Immersion entsteht durch Zugehรถrigkeit. Der Mensch wird Teil des sozialen oder sinnlichen Feldes. Der Fokus liegt auf Beziehung, Prรคsenz und geteiltem Erleben. Fotografisch geht es darum eine Raumatmosphรคre zu erzeugen. Der Betrachter soll nicht wissen, wo er ist โ€“ nur, dass er โ€ždrinโ€œ ist. Die Kamera stellt nicht den Raum dar, sondern sie ist schon mittendrin.

Der Fokus liegt hier nicht auf Linienfรผhrung oder Raumtiefe, sondern auf sondern durch Anwesenheit.

3. Immersion durch Richtung โ€“ Ich bin ein Pantomime

Diese Form entsteht durch Handlungs- oder Bewegungsgleichheit mit dem Objekt. Ich bin nicht innerhalb oder inmitten, sondern befinde mich in einer parallelen Bewegung, in einer synchronen Blick- oder Laufrichtung. Es geht um Teilhabe an der Dynamik im Bild, nicht um Struktur oder Atmosphรคre. Beispiele: Ich gehe neben einer Person, fahre in die gleiche Richtung wie ein Auto, schwenke mit einem Schmetterling mit. In der Fotografie zeigt sich diese Immersion durch Mitziehen, Bewegungsunschรคrfe, Dynamik und Flow.

Die Immersion entsteht durch Synchronitรคt. Der Fotograf ist in das Geschehen integriert, ohne dessen Zentrum zu sein. Der Fokus liegt auf Richtung, Tempo und Bewegung. Dabei drรคngt sich der Gedanke an einen Pantomimen auf: Er ahmt die Bewegung eines anderen nach, folgt ihr, spiegelt sie โ€“ und wird dadurch selbst Teil der Szene, ohne je deren Ursprung zu sein. So wie der Pantomime nicht das Geschehen darstellt, sondern in dessen Rhythmus mitschwingt, so ist auch der Fotograf in der Richtungs-Immersion ein Begleiter der Bewegung โ€“ aufmerksam, reaktiv, eingebunden.

4. Immersion durch das Medium โ€“ Ich tauche ein

Diese Form von Immersion entsteht durch die dichte, fast stoffliche Prรคsenz der Luft oder des Mediums im Raum selbst. Nicht die Geometrie, nicht die Beziehung zu anderen Menschen oder Objekten, nicht die Richtung bestimmen das Gefรผhl des Eingebundenseins โ€“ sondern die Qualitรคt des Mediums, des Lichts, der Farben und der Stimmungen, die den Raum durchziehen und durchdringen.

Ich befinde mich in einem Feld aus Licht und Farbe, aus Nebel, Staub oder energetischer Dichte. Die Atmosphรคre, das Medium, der ร„ther ist nicht nur da, sondern wirkt. Sie durchdringt das Bild, trรคgt das Motiv, schafft Tiefe, ohne Raum zu konstruieren. Die Umgebung wird nicht zum Hintergrund โ€“ sie wird zum Trรคger des Moments.

Fotografisch zeigt sich diese Immersion in Bildern, die eine hohe Dichte in der Lichtverteilung oder im atmosphรคrischen Eindruck erzeugen. Nicht durch Schรคrfe oder Klarheit, sondern durch Verflรผssigung, Flimmern, Leuchten. Der Betrachter sieht nicht nur โ€“ er spรผrt das Medium, das Licht, die Farben.

Die Immersionsform entsteht durch eine atmosphรคrische Dichte โ€“ durch einen Bildraum, der nicht definiert, sondern erfรผllt ist und mich umfรผllt.

5. Immersion durch Licht und Zeit โ€“ Ich bin dabei

Diese Form von Immersion entsteht nicht durch Raum und Geometrie, Beziehung und Erkenntnis, Richtung und Synchronitรคt oder Atmosphรคre und ร„ther โ€“ sondern durch verschiedene Lichtformen und ihre Dauer.
Licht ist hier nicht nur Grundlage der Sichtbarmachung โ€“ es besitzt eine empfundene zeitliche Ausdehnung und verkรถrpert damit eine Bildwirkung, die fรผr den Moment steht, fรผr den รœbergang, fรผr Endlichkeit und Unendlichkeit, fรผr das Geschehen โ€“ und fรผr das Sein. Ein Blitz holt zum Beispiel das Motiv plรถtzlich und schlagartig, ohne Vorlauf, aus der Dunkelheit โ€“ es trรคgt den Charakter eines รœberraschungsmoments. Der Sonnenuntergang steht fรผr den Moment und zugleich fรผr die Unendlichkeit โ€“ im selben Raum, zur selben Zeit. Der Sonnenaufgang fรผr einen Neuanfang. Andere Lichtformen hingegen gleiten oder flieรŸen dahin, wirken verspielt โ€“ fast wie im Flow โ€“ und lassen die Zeit vergessen. Ein Streiflicht im Nebel zeigt nicht nur das Licht, sondern erรถffnet den Zeitraum und das Kapitel einer Entdeckungsreise. Tageslicht ist immer Jetzt. Es lรคsst keinen Zweifel an der Zeit โ€“ es ist nicht erinnernd, nicht andeutend, nicht dramatisierend. Es ist Prรคsenz pur.

Fotografisch bedeutet das: Immersion entsteht nicht allein durch das, was sichtbar ist โ€“ sondern das Licht gibt Auskunft darรผber, in welchem Zeitraum das fotografische Ereignis eingebettet ist. Der Betrachter tritt nicht in einen Raum ein, sondern in einen Zeitrahmen โ€“ getragen von der Art des Lichts. Lichtformen haben das Vermรถgen, Zeit zu formen, zu dehnen, zu stauchen, zu weiten, zu verlangsamen, zu beschleunigen โ€“ und manchmal sogar stillstehen zu lassen.

Zeitliche Immersion ist ein Eintauchen in die Zeit โ€“ als Dauer, als Ausdehnung, als Struktur des Erlebens im Raum-Zeit-Kontinuum.

Umsetzung

Es ist nun Aufgabe des Fotografen, diese Zustรคnde der Immersion nicht nur zu erkennen, sondern gestalterisch sichtbar zu machen. Denn jedes Bild ist nicht nur eine Darstellung von Raum, sondern eine Aussage darรผber, wie der Fotograf selbst zu diesem Raum steht: Ist er innerhalb oder auรŸerhalb? Ist er inmitten und bewegt sich mit oder blickt nur hin?

Die bewusste Auseinandersetzung mit Immersion verรคndert die fotografische Haltung. Sie verschiebt den Fokus weg von bloรŸer Komposition hin zur Frage nach Anteilnahme, Nรคhe, Beziehung und Bewegung.

Ein gutes Bild zeigt nicht nur, was gesehen wurde, sondern wie es erlebt wurde. Die Tiefe der Immersion entscheidet darรผber, ob das Bild bloรŸ beobachtet wird โ€“ oder ob der Betrachter selbst darin einzutauchen beginnt.

>>> Siehe auch: „Gestaltungselemente im รœbergang von perspektivischer Ordnung zur Immersion“

Aufsatz: Gestaltungselemente im รœbergang von perspektivischer Ordnung zur Immersion – Update 08.07.2025

In der Auseinandersetzung mit fotografischen Raumwirkungen wird deutlich, dass es Gestaltungsmittel gibt, die entweder strukturierend und ordnend wirken โ€“ oder den Betrachter immersiv in den Bildraum hineinziehen. Innerhalb dieses Spannungsfeldes zwischen Gesaltung, perspektivischer Ordnung und Immersion lassen sich klassische kompositorische Elemente wie die Arabeske, das Framing, die Drittelregel und die fรผhrende Linie in ihrem tieferen Wirkungszusammenhang deuten.

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Die Arabeske als Ornament der Ordnung
Die Arabeske โ€“ verstanden als verschlungene, ornamentale Struktur โ€“ dient in der bildnerischen Gestaltung traditionell der Flรคchengliederung und erzeugt dekorative Ordnung. In der Fotografie erscheint sie oft in Form von architektonischen Elementen wie Gittermustern, Zierleisten, symmetrischen Fassaden oder naturhaften Strukturen wie ร„sten oder Ranken.
Im Kontext fotografischer Raumgestaltung erfรผllt die Arabeske eine klar ordnende Funktion: Sie strukturiert das Bild als Flรคche und erhรคlt ihre Wirkung unabhรคngig vom Standort des Betrachters. Ihre รคsthetische Kraft liegt in der Prรคsenz und ornamentale Verschlungenheit, nicht in der Beziehung zum Raum. Sie schafft Struktur, nicht Nรคhe. Damit gehรถrt die Arabeske eindeutig zur Sphรคre der bildnerischen Ordnung โ€“ sie macht das Bild lesbar, aber nicht betretbar.

Das Framing als Markierung

Das Framing โ€“ also die bewusste Einrahmung eines Motivs durch ein zunรคchst untergeordnetes Bildelement wie etwa ein in der Szenerie vorhandenem Fenster oder eine Tรผr โ€“ bewirkt zweierlei: Es verstรคrkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Motiv und hebt zugleich die eigene Bedeutung als rahmendes Objekt an. Grob betrachtet kรถnnte man den Vorgang des Framing mit einer rechteckigen oder kreisfรถrmigen Markierung vergleichen, wie man sie nachtrรคglich mit einem Stift auf ein Foto setzt, um das Motiv zu verdeutlichen. Klar ist: Das Framing ist zunรคchst ein fotografisch festgehaltenes Bildelement wie jedes andere in dieser Szene. Erst durch die bewusste Kombination des Fotografen von Rahmen und Motiv entsteht ein visueller Kommentar, der dem Bild eine zusรคtzliche Bedeutungsebene hinzufรผgt, die aber den kontinuierlichen Fluss der Perspektive vom Vordergrund bis zum Horizont unterbricht. Das Bild verliert damit an rรคumlicher Durchgรคngigkeit โ€“ die Tiefenwirkung wird nicht verstรคrkt, sondern abgeschwรคcht. Hinzu kommt: Diese bewusste Komposition setzt eine รœbersicht und kognitive Distanz seitens des Fotografen voraus โ€“ Eigenschaften, die der immersiven Wirkung eher entgegenstehen.

Wรคhrend Immersion mit dem Gefรผhl einhergeht, in einen Raum einzutreten, verleitet das Framing den Betrachter zur Wahrnehmung eines in der Tiefe gesplitteten, also in zwei Raumhรคlften geteilten Bildraumes. Damit bewirkt Framing in gewisser Weise das Gegenteil von Immersivitรคt.
Bitte nicht falsch verstehen: Framing ist aus fotografischer Sicht ein wirkungsvolles und wunderbares Gestaltungselement โ€“ doch aus dem Blickwinkel der Immersion ist es zumindest nicht unkritisch zu betrachten..


Die „Drittelregel“ als รœbergangszone
Die Drittelregel stellvertretend fรผr eine ganze Klasse รคhnlicher Bildaufteilungen (goldener Schnitt z. B.) kann hingegen als rรคumlich wirksames Mittel interpretiert werden. Insbesondere wenn der Horizont im oberen Drittel des Bildes platziert wird, entsteht unterhalb davon eine visuelle Flรคche, die sich nicht mehr nur als Hintergrund prรคsentiert, sondern als Zone mit rรคumlicher Tiefe โ€“ als Boden, als Grund, als begehbare Flรคche. Dieser Bildbereich kann vom Betrachter nicht nur betrachtet, sondern betreten werden โ€“ zumindest in der bildlichen Vorstellung. Der Horizont markiert in diesem Fall eine Schwelle zwischen Kulisse und eigener Position.
Auch die vertikale Drittelung โ€“ etwa durch Mauern, Bรคume oder architektonische Kanten im linken oder rechten Bilddrittel โ€“ erzeugt einen รคhnlichen Effekt. Diese seitlichen Begrenzungen rahmen den Bildraum und stellen eine rรคumliche Beziehung zwischen Betrachter und Szene her. Es entsteht eine Art Tรผrrahmen-Effekt, eine Blickรถffnung โ€“ oder eine visuelle Nische, aus der heraus gesehen wird. Damit erรถffnet die Drittelregel eine Schwelle fรผr Immersion und das Bild wird betretbar: nicht so unmittelbar wie die fรผhrende Linie, aber strukturell im Bild verankert.

Die fรผhrende Linie als starker Einstieg in die Immersion
Die fรผhrende Linie schlieรŸlich ist das kraftvollste Gestaltungsmittel im รœbergang von Ordnung zur Immersion. Sie beginnt hรคufig im Vordergrund โ€“ an einer unteren oder seitlichen Bildkante โ€“ und zieht den Blick des Betrachters aktiv in die Szene hinein. Ob es sich um eine StraรŸe, ein Gelรคnder, einen Schattenverlauf oder eine Wegstruktur handelt: die Linie fungiert als visuelle Spur, die nicht nur lenkt, sondern verbindet.
In meinem Modell der Raumwahrnehmung ist die fรผhrende Linie kein bloรŸes Kompositionsmittel, sondern ein Beziehungselement: Sie รผberbrรผckt die Distanz zwischen mir als Fotograf bzw. dem Betrachter und der Szene. Sie macht das Bild begehbar โ€“ nicht durch ihre Ordnung, sondern durch ihre Richtung. Anders als die Arabeske, die das Auge tanzen lรคsst, oder die Drittelregel, die Zonen aufspannt, ist die fรผhrende Linie ein Seil. Der Blick hรคlt sich an ihr fest, tritt ein, folgt ihr. Damit markiert sie den eindeutigsten รœbergang in die immersive Fotografie.

Fazit
Arabeske, Framing, Drittelregel und fรผhrende Linie sind mehr als bloรŸe Kompositionsmittel โ€“ sie stehen fรผr unterschiedliche Beziehungsformen zwischen Betrachter und Bildraum. Die Arabeske gliedert die Flรคche und schafft visuelle Ordnung โ€“ ohne Bezug zur Raumtiefe. Das Framing lenkt die Aufmerksamkeit, markiert Stellen im Bild und strukturiert die Wahrnehmung, wirkt dabei aber eher trennend als รถffnend: Es verweist auf Raum, ohne ihn erlebbar zu machen.
Die Drittelregel schafft รœbergรคnge โ€“ sie legt horizontale und vertikale Schwellen an, an denen Immersion beginnen kann. Und die fรผhrende Linie schlieรŸlich ist das kraftvollste Gestaltungselement im รœbergang zur Immersion: Sie zieht den Blick aktiv in den Raum hinein und macht das Bild begehbar. Diese vier Elemente markieren einen gestalterischen Pfad: vom ornamentalen Denken รผber die semantische Markierung und raumรถffnende Struktur bis hin zur immersiven Einbindung. In ihrer Differenz wird sichtbar, wie Fotografie nicht nur komponiert, sondern auch verortet, lenkt und โ€“ im besten Fall โ€“ hineinzieht..

>>> Siehe auch: „Fรผnf Arten von Immersion โ€“ ein erweiterter Ansatz zur Wahrnehmung in der Fotografie“

Passion „Diffusion and Light“

Die Serie Diffusion and Light zeigt Fotografien, die mit einer abgewandelten Form des Intentional Camera Movement (ICM) entstanden sind. Besonders hervorzuheben ist, dass die Aufnahmen trotz der Bewegung (Movement) paradoxerweise sowohl prรคzise als auch verwischte Bildelemente enthalten. Diese Bildwirkung entsteht โ€“ entgegen naheliegender Vermutungen โ€“ nicht durch eine Mehrfachbelichtung, sondern innerhalb eines einzigen Belichtungsvorgangs.

Passion „Illuminationen“

Eine besondere Form der Lichtfรผhrung bildet die Serie โ€žIlluminationenโ€œ, in der ich gezielt mit Transluzenz arbeite โ€“ also mit der Eigenschaft bestimmter Materialien, Licht teilweise hindurchzulassen. Fotografiert wird in vรถlliger Dunkelheit. Blรคtter und Blรผten von Rosen und Mohn werden dabei mit einer Taschenlampe (4.800 Lumen) von hinten so intensiv beleuchtet, dass das Licht durch ihre feinen Gewebestrukturen hindurchdringt.

Durch diese Technik treten nicht nur die รคuรŸeren Konturen hervor, sondern auch innere Strukturen werden sichtbar: feine Venengeflechte, Dichteschwankungen, Farbverlรคufe. Die Blรผten erscheinen dadurch nicht als beleuchtete Objekte, sondern wirken, als wรผrden sie von innen heraus leuchten – also illuminieren.

>>>Siehe auch den Artikel zu „Gegenlicht“

Passion „Unschรคrfen

In meiner Fotografie sind Unschรคrfen zunehmend zu einem Ausdrucksmittel geworden, die ich gezielt einsetze, um Stimmungen zu erzeugen, Formen zu abstrahieren oder Bewegung sichtbar zu machen. Hier stelle ich sieben unterschiedliche Arten der Unschรคrfe vor, die ich bewusst einsetze:

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1. Fokusunschรคrfen

  1. Fokusunschรคrfe (Out of Focus)
    Das Hauptmotiv liegt bewusst auรŸerhalb der Schรคrfeebene. Es verliert seine Details, gewinnt aber an Farbigkeit, Formgefรผhl und Stimmung โ€“ ein Bild wird zur Andeutung.
  2. Bokeh (Bokeh-Shot)
    Eine groรŸe Blendenรถffnung sorgt fรผr einen weich aufgelรถsten Hintergrund. Lichtquellen erscheinen als sanfte Kreise. Diese Unschรคrfe erzeugt Tiefe, Nรคhe und eine fast meditative Wirkung.

2. Unschรคrfen durch Langzeitbelichtung
  1. Langzeitbelichtung und Bewegung (Motion Blur)
    Bewegte Elemente verwischen bei lรคngerer Belichtungszeit. Menschen, Wasser oder Lichtspuren verschwimmen โ€“ Zeit wird sichtbar.
  2. Mitzieher (Panning)
    Die Kamera folgt einem bewegten Objekt. Das Motiv bleibt vergleichsweise scharf, der Hintergrund verwischt. So entsteht Dynamik, Richtung und Tempo.
  3. Brennweitenzieher (Zoomburst)
    Wรคhrend der Belichtung wird gezoomt. Dadurch entstehen strahlenfรถrmige Linien โ€“ ein Effekt mit Tunnelwirkung, der Blick und Energie ins Zentrum lenkt.
  4. Kameragestik (ICM Intentional Camera Movement)
    Die Kamera wird wรคhrend der Belichtung bewusst bewegt โ€“ etwa geschwenkt, gekreist oder gewippt. Das Bild lรถst sich auf, wird rhythmisch, flieรŸend, malerisch.
    >>>Siehe auch die Artikel zu „ICM“, „ICM-Dementoren-Look“

3. Unschรคrfen durch Mehrfachbelichtung
  1. Mehrfachbelichtung (Multi Exposure)
    Mehrere Aufnahmen desselben Motivs werden in der Kamera รผbereinandergelegt. Kleine Verschiebungen erzeugen Unschรคrfen, Wiederholung oder รœberlagerungen โ€“ das Bild wirkt wie eine Erinnerung oder Echo.

>>>Siehe auch die Artikel zu „Ghosting“, „MultiExposure“, „X-Glazing“ oder auch „InstantMontagen“.

Passion „Ghosting

Ghosting ist eine von mir bezeichnete, experimentelle Mehrfachbelichtungstechnik, bei der mittels des Blendmodus Dark (funktioniert auch mit anderen Blendmodes) gezielt unscharfe und scharfe Bildanteile in der Kamera kombiniert werden, um dem Motiv eine geisterhafte, dunkle Kontur oder Aura zu verleihen. Das Verfahren erzeugt visuelle Dopplungen, die wie Schattenrisse oder flรผchtige Nachbilder wirken.

Passion „Framed Nature

In meinen Fotografien wรคhle ich gezielt Motive aus der Natur โ€“ etwa Bรคume, Blรคtter oder andere organische Formen โ€“ und komponiere sie so, dass sie innerhalb des Bildausschnitts eine klare und erkennbare Struktur beibehalten. Ergรคnzt wird das Bild durch einen farblich abgestimmten Rahmen, der sich an der dominierenden Farbe des Motivs orientiert und sich auf diese Weise mit dem Motiv verbindet.

So begrenzt dieser Rahmen die Natur durch eine klar gesetzte Geometrie โ€“ er schafft Ordnung, wo die Evolution zerfasert. Der Rahmen verschmilzt mit dem Motiv, wรคhrend die rechteckige Form es scheinbar idealisiert abschlieรŸt. In einer mรถbiushaften Wendung mutiert das Motiv zum Rahmen, um sich am Ende selbst einzuverleiben.

Doch der Rahmen kann nicht nur begrenzend, sondern auch umhรผllend wirken. In einer invertierten Lesart รถffnet er sich fรผr alle materielle und immaterielle Elemente โ€“ fรผr Erde als das Feste und Formgebende, fรผr Wasser als das Wandelbare, fรผr Luft als das Bewegliche, fรผr Feuer als Licht und Energie, und fรผr den ร„ther als Quintessenz und fรผnftes Element โ€“ das Unsichtbare, das alles durchdringt.

Der Rahmen wirkt nun als Hรผlle oder Membran, nicht als Grenze. Er umfasst das Motiv, verdichtet die umgebenden stofflichen und atmosphรคrischen Elemente โ€“ und formt, was sich eigentlich nicht fassen lรคsst.

Passion „Anatomien“

Die Anatomie befasst sich im medizinischen Sinne mit dem Aufbau und der Struktur von Lebewesen. รœbertragen auf Bilder beschreibt die โ€žAnatomie von Bildernโ€œ deren perspektivische Grundlagen, die auf mathematisch-geometrischen Prinzipien der Linearperspektive beruhen. Wรคhrend die grundlegenden Konstruktionen meist noch anschaulich nachvollziehbar sind, wird das Verstรคndnis mit zunehmender Komplexitรคt anspruchsvoller.

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Trotz ihres technischen Charakters besitzen diese Konstruktionen โ€“ so finde ich โ€“ eine eigene รคsthetische Qualitรคt. Mit zunehmender Einarbeitung in die Materie zeigt sich die Linearperspektive als besonders geeignet fรผr die Analyse von Architektur- und Produktfotografien.

Nachfolgend habe ich Bilder zu verschiedenen perspektivischen Darstellungen mit einem, zwei oder drei Fluchtpunkten hochgeladen. Grundsรคtzlich ist es optimal, die Bilder unbeschnitten zu analysieren, da die Bildmitte wichtige Hinweise zum Standort des Fotografen liefert, die in die perspektivische Konstruktion einflieรŸen. Aber auch die Analyse beschnittener Bilder ist mรถglich.

Falls jemand Interesse hat, darf er sich gerne bei mir melden unter „st.scheurer@gmail.com“ ๐Ÿ˜‰

Passion „MultiExposure“

Die Techniken des Long-/Multi-Exposure, oft in Kombination mit dem Intentional Camera Movement (ICM), beeindrucken mich zutiefst. Durch das รœberlagern mehrerer Bildebenen direkt in der Kamera entstehen Aufnahmen, die fast surreale Elemente enthalten und die Grenzen des Gewรถhnlichen รผberschreiten.

Die sich vermischenden Farben, die unerwarteten Texturen und Formen, die durch die bewusste Bewegung der Kamera wรคhrend der Langzeitbelichtung entstehen, bieten mir eine Vielzahl an Mรถglichkeiten zur Abstraktion. Diese Technik ermรถglicht es mir, die Dynamik des Alltags einzufangen und Szenen zu kreieren, die sowohl visuell beeindruckend als auch emotional tiefgehend sind. Es ist diese Verschmelzung von Chaos und Kontrolle, die jede Aufnahme zu einem spannenden Experiment macht.

Diese Art der Fotografie ist eine besondere Ausdrucksform fรผr mich und das Ergebnis meiner Hingabe an das Zusammenspiel von Licht, Bewegung und Perspektive.

Besonders spannend finde ich die Umsetzung dieser Techniken in der Nacht wie man an den folgenden Bildern hoffentlich sieht. Das Licht der Stadt bietet ein eindrucksvolles Ambiente fรผr Experimente mit Bewegung und Licht. Die eingefangenen Lichtspuren der stรคdtischen Lichter, erzeugen Dynamik und Energie, die in statischen Bildern nur schwer vermittelt werden kann.

Passion „Color Grading“

Color Grading ist fรผr mich ein unverzichtbares Werkzeug in der Bildbearbeitung, das mir ermรถglicht, wie im Kino Farbstimmungen zu verdeutlichen und den Look eines Bildes gezielt anzupassen, um Atmosphรคre zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur um die รผblichen Anpassungen wie WeiรŸabgleich, Belichtung oder Kontrast, sondern darรผber hinaus, dem Bild mehr Ausdruckskraft zu verleihen. Ziel dieser Bearbeitung ist es, den Bildern eine visuell ansprechende, teils plakative Wirkung zu verleihen, รคhnlich dem bekannten Velvia-Look von Fujifilm. Diese Form des Grading verstehe ich als eigene Stilrichtung.

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Dazu nutze ich die Software Darktable, die eine Vielzahl mรคchtiger Werkzeuge (Module) bietet โ€“ darunter Farbkalibrierung, Farbbereichsanpassung, Farbbalance, Filmic, Look-Up-Tables und vieles mehr. Diese Module ermรถglichen es mir, gezielt Farben zu verรคndern. Die Auswirkungen lassen sich direkt am Bild und im Vektorskop nachverfolgen.

Im Vordergrund steht fรผr mich stets die Wahrung eines gewissen Realitรคtsbezugs โ€“ insbesondere bei Hauttรถnen. Eine unnatรผrliche Rรถtung (z.โ€ฏB. in Richtung Sonnenbrand) markiert fรผr mich die Grenze der stilistischen Aufwertung.

Der Grad der Farbintensivierung wird dabei nicht nach einem festen Schema vorgenommen, sondern orientiert sich am Ziel der Bildwirkung. Wรคhrend bei dokumentarischen Aufnahmen auf eine zurรผckhaltende oder gar keine Farbintensivierung geachtet wird, darf sie bei populรคren Prรคsentationen bewusst deutlich ausfallen.

Zu den nachfolgenden Bildern: Ausgehend von einem neutralen Bild mit natรผrlicher Beleuchtung kann ich durch gezielte Farbgebung verschiedene Atmosphรคren schaffen. Ein wรคrmeres Bild mit Betonung auf Gelb- und Orangetรถnen wirkt lebendig und einladend. Eine kรผhlere Farbpalette mit stรคrkeren Blau- und Grรผntรถnen hingegen verleiht dem Bild eine mystische, beruhigende Note. Auch eine leichte Entsรคttigung in Kombination mit kรผhlen Tรถnen kann eine melancholische, nachdenkliche Stimmung erzeugen.

Diese Vielfalt an Mรถglichkeiten macht Color Grading fรผr mich so faszinierend. Es ist wie das Malen mit Licht und Farbe, um das Bild so zu gestalten, wie es sich anfรผhlen soll. Beim Color Grading versuche ich mich klassischen Farbkonzepten anzunรคhern:

Analoges Farbschema:
Hierbei werden Farbรผbergรคnge erzeugt, mit Farben, die auf dem Farbkreis nebeneinander liegen. Dies schafft eine harmonische und beruhigende Atmosphรคre, da die Farben รคhnliche Tรถne und Sรคttigungen aufweisen.

Komplementรคres Farbschema:
Dieses Schema nutzt Farben, die sich im Farbkreis direkt gegenรผberstehen. Die resultierende hohe Kontrastierung sorgt fรผr eine dynamische, bunte und damit lebendige Wirkung.

Dyadisches Farbschema:
Bei diesem Ansatz nutze ich zwei Farben, die im Farbkreis durch eine weitere Farbe getrennt sind. Es bietet einen Balanceakt zwischen Harmonie und Kontrast und eignet sich hervorragend, um subtile Spannung zu wecken.

Passion „Gegenlicht“

Gegenlichtfotografie zeichnet sich fรผr mich dadurch aus, dass die Lichtquelle hinter dem Motiv positioniert ist und das Licht direkt in Richtung der Kamera strahlt. Dies fรผhrt dazu, dass das Motiv als Silhouette erscheint, da die Vorderseite im Schatten liegt und Details oder Texturen kaum oder nicht erkennbar sind. Der Kontrast zwischen dem dunklen Motiv und dem hellen Hintergrund ist eines der auffรคlligsten Merkmale. Das Licht selbst oder seine Streuung wird zu einem zentralen Bestandteil der Bildwirkung. Typischerweise wird Gegenlicht von mir eingesetzt, um Konturen und Umrisse hervorzuheben. Gegenlichtfotos haben eine grรถรŸere Bandbreite im Tonwertbereich, da hauptsรคchlich helle als auch dunkle Bereiche vorkommen. Mittlere Tonwerte sind fast nicht vorhanden.

>>>Siehe auch den Artikel zu „Illuminationen“

Passion „High-/Low-Key“

Low-Key-Fotografie betont dunkle Tonwerte und arbeitet mit gezielter Lichtfรผhrung, um eine dramatische und geheimnisvolle Wirkung zu erzielen. Der GroรŸteil des Bildes liegt im unteren Bereich des Tonwertspektrums, wodurch eine dunkle, reduzierte Atmosphรคre entsteht. Im Unterschied zur Gegenlichtfotografie sind die mittleren Tonwerte in einem solchen Umfang vorhanden, dass Texturen und Details gerade noch erkennbar bleiben, was die Struktur und Form des Motivs unterstreicht. Die Low-Key-Fotografie zeichnet sich fรผr mich vor allem durch ihre Lichtgestaltung aus und der Fokus liegt auf den weniger beleuchteten Bereichen. Im Gegensatz dazu nutzt die High-Key-Fotografie helle Beleuchtung und ein hohes MaรŸ an Licht, um ein sanftes Bild mit minimalen Schatten zu schaffen, indem helle Tรถne dominieren und Kontraste sanft gehalten werden. Beide Techniken spielen bewusst mit Licht und Schatten, um emotionale oder รคsthetische Wirkungen zu verstรคrken.

Nach meiner รœberzeugung gibt es zwei Ansรคtze zur Erstellung von High-Key- aber auch Low-Key-Bildern:

  1. Klassischer Ansatz: Hier werden รผberwiegend helle Objekte stark belichtet, wodurch sie noch heller wirken. Akzente entstehen vor allem durch minimale Schatten an der Grenze zur lichtabgewandten Seite der Objekte. Dieser Ansatz setzt auf die Materialstruktur und die Form der Objekte, um subtile Kontraste bzw. Akzente zu erzeugen.
  2. High-Key mit Transparenzen: Dieser Ansatz nutzt transparente oder durchscheinende Materialien, wie z. B. Glas. Die Akzentuierung erfolgt aber eher nicht durch Schatten, sondern auch durch optische Effekte wie Lichtbrechung, Reflexionen und die Transmissivitรคt des Materials. Die Akzente werden auch durch Objekte auรŸerhalb der Szenerie ermรถglicht, die durch die Lichtbrechung gerade an den Konturen der Objekte hauchdรผnn sichtbar werden.

Beide Methoden erzeugen den typischen hellen High-Key-Look, unterscheiden sich jedoch vรถllig in der Art und Weise, wie Kontraste und Akzente auftreten. Ein weiteres Merkmal ist, dass klassische High-Key-Aufnahmen auf weiches, diffuses Licht setzen, das meist von hinten oder seitlich kommt, um Schatten zu minimieren und eine gleichmรครŸige, helle Szene zu erzeugen. Bei transparenten Objekten hingegen erweist sich Gegenlicht, das durch die transparenten Materialien hindurchscheint, als geeignet.

Passion „Alignement“

Die von mir als Alignement-Methode bezeichnete fotografische Technik stellt eine alternative Mรถglichkeit dar, das Motiv in den Bildrahmen zu integrieren. Anstatt das Motiv nach traditionellen Proportionsregeln wie z. B. der Drittelregel und zumeist vertikal oder horizontal zu positionieren, orientiere ich die Kamera mittels der Alignement-Methode รผber den Bildrahmen oder dessen gedachten Linien der dynamischen Symmetrie gezielt am Motiv. So entsteht eine bewusste Verbindung zwischen Motiv und Rahmen, um eine klare und strukturierte Bildkomposition zu schaffen. Diese Art und Weise, die Kamera am Objekt auszurichten, ermรถglicht eine andere geometrische Ordnung und visuelle Struktur fรผr spezifische Darstellungen.

Wie bei den Object-Snapping-Techniken im CAD, die durch geometrische Kriterien prรคzise Verknรผpfungen ermรถglichen, bietet die Alignement-Methode eine alternative rรคumliche Anordnung. Prinzipien der Gestalttheorie wie das Gesetz der Nรคhe und das Gesetz der guten Fortsetzung wirken hier und parallele Linien โ€“ beispielsweise die Kontur des Objekts und der Bildrand โ€“ werden vom Auge als zusammengehรถrig wahrgenommen und das Motiv verbindet sich stรคrker mit dem Rahmen.

Ich setze die Alignement-Methode vorwiegend in der explorativen Fotografie ein, um neue Umgebungen kennenzulernen und mich zu orientieren โ€“ am liebsten nutze ich dafรผr mein Smartphone.

Passion „X-Glazing“

Diese von mir als „X-Glazing“ (Mehrfachverglasung) bezeichnete Fotografietechnik erzeugt durch Mehrfachbelichtung faszinierende Bilder, bei denen das gleiche Motiv in mehreren Schichten (Layern) dargestellt wird. Die Konturen und Bildebenen sind dabei leicht versetzt, รคhnlich wie bei Spiegelungen von Objekten durch mehrfach verglastes Fenster.

Passion „ICM“

ICM steht fรผr Intentional Camera Movement โ€“ also absichtliche Kamerabewegung, auch als gestische Fotografie bezeichnet. Dabei wird ein Motiv wรคhrend einer gezielten Kamerabewegung mit langer Belichtungszeit aufgenommen.

Im ICM werden klassische fotografische Strukturen wie Linien, Formen, Konturen und Schรคrfenebenen bewusst aufgelรถst. An ihre Stelle treten Farbe, Kontrast, Rhythmus und Bewegung als neue bildgestaltende Elemente. Das Bild wird dadurch nicht mehr vorrangig durch die ursprรผngliche Szene definiert, sondern durch die Spur, die die Kamera hinterlรคsst โ€“ รคhnlich wie beim Malen der Pinselstrich den Charakter eines Gemรคldes bestimmt. Die Kamera wird zum Pinsel, die Belichtungszeit zur Strichlรคnge.

Durch Techniken wie die Mehrfachbelichtung lassen sich die kreativen Mรถglichkeiten des ICM nochmals deutlich erweitern.

Mit meinen ICM-Bildern mรถchte ich vor allem Stimmungen und Emotionen beim Betrachter wecken. Die hier gezeigten Arbeiten zeigen unterschiedliche Facetten dieses Ansatzes โ€“ insbesondere in den von mir entwickelten Stilen Dark-, Gothic- und Pop-ICM.

>>> Auszug aus dem Vortrag vom 26.05.2025

Willkommen zu meinem Kurzvortrag รผber die ICM-Fotografie.

Die ICM-Fotografie โ€“ Intentional Camera Movement โ€“ ist eine auรŸergewรถhnliche und experimentelle Technik mit kรผnstlerischem Anspruch. Im Vergleich zur klassischen Fotografie wird sie jedoch nicht so stark wahrgenommen. Umso mehr freut es mich, dass ihr heute so zahlreich erschienen seid, um euch auf dieses Thema einzulassen.

Ich selbst poste regelmรครŸig Bilderserien in meinem WhatsApp-Status โ€“ meist klassische Fotografien. Diese Serien werden fast durchgรคngig vom ersten bis zum letzten Bild angeschaut. Es kommt nur selten vor, dass jemand vorzeitig abspringt. Ganz anders ist es, wenn ich eine Serie mit ICM-Bildern poste: viele meiner Follower brechen bereits nach wenigen Bildern vorzeitig ab.

Das hat mich natรผrlich beschรคftigt und mein erster Gedanke war, dass es an der Qualitรคt meiner Bilder ganz bestimmt nicht liegen kann ๐Ÿ˜€. Vielmehr scheint es am fehlenden Realitรคtsbezug zu liegen. Je realistischer ein Bild ist, desto eher wird es akzeptiert โ€“ je abstrakter und kรผnstlerischer, desto stรคrker polarisiert es.

Dieses Phรคnomen kennt man auch aus der Kunstwelt: Zeigt man Werke aus der Renaissance bis zum Impressionismus (z. B. Monets Garten / Freiburg), strรถmen die Besucher. Prรคsentiert man dagegen Kunst der Klassischen Moderne โ€“ etwa von Dadaisten, Futuristen oder Neosurrealisten โ€“ bleiben viele fern.

Ich war kรผrzlich im Zentrum Paul-Klee in Bern und bin dort auf ein Zitat gestoรŸen, das mich nachhaltig beeindruckt hat:

โ€žKunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.โ€œ โ€“ Paul Klee

Ein Satz, der fรผr mich den Kern kรผnstlerischen Schaffens trifft. Es geht darum, Dinge sichtbar zu machen, die uns im Alltag und im „alltรคglichen Wahnsinn“ verborgen bleiben.

Und genau das ist auch mein Anspruch an die ICM-Fotografie: Sie soll uns die Dinge zeigen, die bei der klassischen Fotografie weitgehend verborgen bleiben und uns eine neue Wahrnehmungsebene erschlieรŸen … [Einleitung – Ende]

Passion „ICM-Dementoren-Look“

Diese spezielle ICM-Technik, die mit einer rotierenden Gestik arbeitet, erzeugt in Verbindung mit Schatten einzigartige Verzerrungen, die sich deutlich vom รผblichen ICM-Bild unterscheiden. Da die Rotationsgeschwindigkeit im Zentrum der Bewegung null betrรคgt und zu den Bildrรคndern hin zunimmt, fรผhrt dies dazu, dass ursprรผnglich scharf abgegrenzte Schlagschatten in weiche, von der ursprรผnglichen Gestalt abweichende und tonal abgestufte Formen รผberfรผhrt werden. Kรผnstlerisch betrachtet verschmelzen auch hier Form, Bewegung und Licht zu einer neuen visuellen Realitรคt, deren optisches Zentrum durch die rotierenden und wirbelnden Muster besonders hervorgehoben wird. Fรผr spannende Trรคume, die Bilder einfach ausdrucken und im Schlafzimmer verteilen ;-))

Passion „Fluide Skulpturen und Formen“

„Fluide Skulpturen und Formen“ steht fรผr die Fotografie von Wasser und anderen Fluiden, um die vielfรคltigen Strรถmungsformen darzustellen, die entweder durch Trรคgheitskrรคfte oder, wie bei Tropfenbildern, durch Oberflรคchenspannungen bestimmt werden. Eine Besonderheit dieser Fotografie sind die teils ultrakurzen Verschlusszeiten, die es ermรถglichen, die feinen Strukturen und Details der Bewegungen klarer sichtbar zu machen.

Neuerdings favorisiere ich aber eine Technik, die Langzeitbelichtung in Kombination mit einem Blitzgerรคt nutzt, um Bewegungen von Objekten einzufrieren. Diese stroboskopische Fotografietechnik ermรถglicht es, unglaublich detaillierte Momentaufnahmen zu erfassen, wie beispielsweise die in fallenden Wassertropfen eingeschlossenen Luftblรคschen, selbst aus einer Entfernung von mindestens 80 cm. Dabei variiert die Blitzdauer meines Godox Blitzes je nach Leistung von 1/300 Sekunde bei voller Leistung (1/1) bis zu 1/20.000 Sekunde bei minimaler Leistung (1/256), was mir eine gewisse Kontrolle รผber die Lichtverhรคltnisse erlaubt.

Passion „Architekturfotografie“

Mich fasziniert die Architekturfotografie, weil sie mir die Mรถglichkeit gibt, Gebรคude, Bauwerke und Kunstwerke aus meiner eigenen Perspektive festzuhalten. Es geht mir nicht nur darum, ein Bauwerk abzubilden, sondern seine ร„sthetik und Funktionalitรคt auf meine Weise sichtbar zu machen. Proportionen, Linienfรผhrung und Licht helfen mir, Designelemente hervorzuheben und die Struktur eines Gebรคudes ins richtige Licht zu rรผcken. Besonders spannend finde ich die Arbeit mit Perspektiven, da sie die Wahrnehmung eines Gebรคudes verรคndern und seine Wirkung verstรคrken kรถnnen.

Passion „Landschaftsfotografie“

Landschaftsfotografie begeistert mich, weil sie mich zwingt, innezuhalten und den Moment bewusst wahrzunehmen. Die Weite, die Farben und das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Fรผr mich geht es dabei nur darum, die Schรถnheit der Natur festzuhalten. Jeder Ort, den ich fotografiere, wird so zu einer persรถnlichen Verbindung zwischen mir und der Landschaft โ€“ ein stiller Dialog, den ich mit meiner Kamera einfange.

Passion „Schwarz-WeiรŸ-Fotografie

Die Schwarz-WeiรŸ-Fotografie faszinierend mich auรŸerordentlich, weil sie eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche ermรถglicht. Ohne die Ablenkung durch Farben konzentriert sich der Blick auf Formen, Kontraste, Strukturen und das Spiel von Licht und Schatten. Das macht die Bilder klarer und prรคziser, sie wirken direkter und bringen die Essenz der Szene stรคrker zur Geltung. Fรผr mich hat Schwarz-WeiรŸ etwas Zeitloses und transportieren die Motive in die Vergangenheit.

Durch den Verzicht auf Farbe werden das Licht und Schatten zu den zentralen Gestaltungsmitteln und das Zusammenspiel wirkt fรผr mich oft spannender als bei Farbfotografien.

In einer Welt, die von bunten, digitalen Bildern รผberflutet ist, empfinde ich Schwarz-WeiรŸ-Fotografie als einen Gegenpol. Sie entschleunigt, lenkt den Fokus auf das Wesentliche und vermittelt eine zeitlose Ruhe. Fรผr mich ist das eine Art Rรผckkehr zu den Ursprรผngen der Fotografie, die mich inspiriert und immer wieder aufs Neue begeistert.

Passion „Instantmontagen“

Mit „Instantmontagen“ bezeichne ich Bilder, die durch Mehrfachbelichtung und den gezielten Einsatz spezieller Blending-Techniken direkt in der Kamera entstehen. Die Bildbearbeitung spielt dabei keine wesentliche Rolle.

Passion „Daywalker“

„Daywalker“ bezeichnet die Technik, bei der Bilder mit Unterstรผtzung eines Aufhellblitzes bei Tageslicht erstellt werden. Ich stehe hier noch am Anfang und experimentiere mit den Mรถglichkeiten dieser Methode.

Passion „Menschen“

Eine meiner Leidenschaften ist es, Menschen zu fotografieren. Fรผr mich sind es die besonderen Momente, wenn Personen vollkommen in ihre Tรคtigkeit vertieft sind. Ihre natรผrliche Haltung und Gestik erzรคhlen dann Geschichten, die oft mehr ausdrรผcken als Worte. Es ist faszinierend, wie dabei ihre Freude, Offenheit und Individualitรคt in den Vordergrund treten und den Betrachter in ihren Bann ziehen. Solche authentischen Momente einzufangen sind eine wahre Freude.

Passion „Pflanzen“

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