am 28. Juli war Peter Teubner vom Fotoclub Singen bei uns zu Gast und berichtete in einem ca. 1-stündigen Vortrag (mit Aquasoft zusammengestellt) von seiner ca 2-wöchigen Wanderung auf dem Jakobsweg.
Derer gibt es mittlerweile sehr viele. Der klassische Jakobsweg, bereits im 11. Jahrhundert erwähnt, ist der Camino Francés, der auf einer Strecke von ca. 800 km von den Pyrenäen durch den Norden Spaniens nach Santiago de Compostela führt. 1993 wurde er als UNESCO Welterbe eingetragen.
Der zweitbeliebteste Jakobsweg ist der Camino Portugués, der als „kleine“ Variante von Porto nach Santiago de Compostela auf einer Distanz von ca. 250 km (Route durch das Landesinnere) gegangen werden kann. Er gilt als sehr leicht begehbar und gut geeignet für Einsteiger. Für die Strecke werden die 12 Etappen zwischen 10 und 34 km kalkuliert. Der „große“ beginnt in Lissabon und hat eine Länge von ca. 620 km, für die rund 4 Wochen veranschlagt werden.
Angeregt durch das Buch von Hape Kerkeling hatte Peter schon lange den Wunsch, den Jakobsweg zu gehen, aber es fehlte die passende Begleitung. Dann traf er Ruedi, der den portugiesischen Jakobsweg schon mal gelaufen war – und die Sache war geritzt. Im September 2023 ging es los.

Nach 2 Tagen in Porto wurden die Wanderschuhe angezogen und los ging´s. Der erste Tag verlief noch an der Küste, dann ging es ins Landesinnere. Eine umwerfende Natur – ein Labsal für die Seele. Eine gut ausgebaute Infrastruktur ermöglichte in der Regel, problemlos Unterkünfte zu finden und für den nächsten Tag wieder aufzutanken.
Was Peter am meisten verwunderte, war, dass die Gegend sehr viel Ähnlichkeit mit der am und um den Bodensee hatte.
Angekommen in Pontevedra haben sich Peter und Ruedi entschieden, die als sehr schöne und als Ursprung aller Wege bekannte „spirituelle Variante“ zu gehen. In drei Etappen führt dieser Weg durch wunderschöne Landschaft, die zweite wird auch Mühlenweg genannt. Und das Besondere ist, dass die dritte Etappe mit dem Boot zurückgelegt wird, sozusagen dem Weg folgend, auf dem der Körper des Apostel Jakobus transportiert wurde. Bei Padron traf man wieder auf den ursprünglichen Caminho. Nach einer Übernachtung im Kloster Herbón startet am nächsten Tag die Etappe ins 25 km entfernte Santiago de Compostela.
Doch als ob die Beiden nicht schon lange gewandert waren, entschieden sie, den Camino Finisterra (ca. 100 km Länge) noch eben mal mitzunehmen. Ans Ende der Welt zu wandern… das Kap Finisterre, das ist die Krönung des wochenlangen Unterwegsseins. Jenseits der trubeligen Pilgerhauptstadt Santiago de Compostela, dem eigentlichen Ziel, wird man am Ende der Welt mit Ruhe und Zeit nach einer ereignisreichen Jakobswegreise belohnt. Dort, am Nullpunkt des Jakobsweges, markiert eine spezielle Wegmarke das Ende des Weges, und der Leuchtturm am Kap ist ein klassischer Ort, um die Sonne im Atlantik zu sehen.
Mit einem Abstecher nach und Übernachtung in Muxia ging es dann am nächsten Tag endgültig ans Ziel der Jakobsweges: Santiago de Compostela.
Geschafft und glücklich nehmen die Peter und Ruedi die Pilgerurkunde in Empfang.
Das Fazit: ein Erlebnis der besonderen Art.

Ergänzende Informationen zum Jakobsweg:
Die erste Erwähnung des Jakobsweges stammt aus dem Jahre 1047. Demgegenüber hat sich eine internationale, 1985 vom Europarat eingesetzte und bei der Regierung der autonomen Region Galicien angesiedelte Expertenkommission auf eine Nomenklatur verständigt, nach der lediglich die nordspanische Hauptverkehrsachse die Bezeichnung Camino de Santiago (Jakobsweg) tragen soll. Alle anderen Routen werden als „Wege der Jakobspilger“ bezeichnet. Die Jakobsmuschel ist das Symbol und Wegweiser für den Jakobsweg. Die Streifen sind die Wege, die alle nach Santiago de Compostela führen. Dort soll der Apostel Jakobus begraben sein.
Im 11. und 12. Jahrhundert entwickelte sich unter dem Einfluss der Reconquista sowie der Abtei Cluny eine der größten Pilgertraditionen des christlichen Westens.
Nach einem Niedergang der Pilgerfahrt in der frühen Neuzeit, verursacht durch einen Verfall der Pilgeridee, ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ein erneuter Aufschwung erkennbar. Nach den napoleonischen Kriegen löste eine durchgreifende Säkularisierungswelle die karitative Infrastruktur des nordspanischen Jakobsweges beinahe vollständig auf und führte zu einem deutlichen Rückgang der Pilgerzahlen, wenngleich der Pilgerverkehr auf dem Jakobsweg nie ganz zum Erliegen kam.
In den 1950er und 1960er Jahren bildeten sich in Spanien und Frankreich Vereinigungen der „Freunde des Jakobsweges“ und auch politisch bestand weiterhin Interesse an der wissenschaftlichen Aufarbeitung und touristischen Erschließung. 1950 entstand in Paris die erste Jakobusgesellschaft mit dem Anspruch, wissenschaftlich zu arbeiten.
Seit dem Ende der 1970er Jahre erlebt die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg einen großen Aufschwung. 1982 und 1989 besuchte Papst Johannes Paul II Santiago de Compostela und rief im Rahmen einer großen „Europa-Feier“ den alten Kontinent auf, seine Wurzeln wiederzubeleben. Der Europarat erklärte 1987 den Weg zum ersten europäischen Kulturweg. Wurden damals gut 3.000 Pilger pro Jahr registriert, waren es im Jahr 2003 über 74.000 aus allen Ländern der Erde. 2004, im Heiligen Compostelanischen Jahr, kamen 179.932 Pilger. In Santiago erhalten die Pilger eine Urkunde, die Compostela.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden die Jakobusgesellschaften. In Deutschland wurde 1979 die erste Vereinigung als St. Jakobus-Bruderschaft Düsseldorf e. V. gegründet. Die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft ist eine überregionale Vereinigung, die im gleichen Jahr entstand. Insgesamt gibt es heute in Deutschland 18 Jakobusvereinigungen.
(Quelle: Wikipedia)
Mittlerweile gibt es in ganz Europa ein Netz von Jakobswegen, auch im Breisgau. Im Internet gibt es zahlreiche Informationen, die keine Unklarheiten offenlassen.
Text: Ulrike Brunnmüller, Fotos: Peter Teubner

