Zinnfiguren 01

FotoTreff “Zinnfigurenklause”

Klein, aber fein und von den Einheimischen wenig beachtet gibt es in den oberen Stockwerken des Schwabentores ein Museum, die Zinnfigurenklause.

Nicht das größte Zinnfigurenmuseum in Deutschland, aber es ist einmalig in seiner Vergangenheit und seiner aktuellen Verwaltung. Die ehemals private Sammlung wurde von der Stadt Freiburg aufgekauft, mietfrei im Schwabentor untergebracht und wird heute von einem ca. 40köpfigen Verein verwaltet, dessen 8 aktive Mitglieder für die Instandhaltung und Weiterentwicklung sorgen.

Dort finden sich über zwei Etagen 21 Schaukästen („Dioramen“), in denen mit 9000 Zinnfiguren Szenen vorrangig aus der Geschichte der badischen Freiheitsbewegungen von Bauern und Bürgern dargestellt sind. Zierliche Zinnfiguren, Menschen, Tiere, Pflanzen sind einfühlsam zwischen Gebäudemodellen vor gemalter Landschaft plaziert. Aber auch andere Befreiungen haben Platz gefunden, so die Schlacht bei Sempach von 1386, in der sich die Schweizer von der Unterdrückung durch die Habsburger befreien konnten, nachdem sich schon ca. 100 Jahre zuvor die Sagengestalt Wilhelm Tell daran die Zähne ausgebissen hatte. Auch eine Szene von religiöser Befreiung ist realisiert, der Einzug von Martin Luther in Worms, um seine Reformation vor dem Kaiser zu rechtfertigen – ein besonders lebendiges Diorama voller zivilem und militärischem Volk, kirchlichen und weltlichen Würdenträgern, Pferden und Hunden. Daneben ist eine stattliche Anzahl von Modellen von Burgen aus dem Südwesten zu besichtigen. Die unverputzten Wände sind behangen mit historischen Waffen und Handwerksgeräten, mit Wappen, Fahnen und Flaggen, unter denen die des Bundschuhs aus Lehen nicht fehlen dürfen. Natürlich finden auch Friedrich Hecker und Gustav Stuve Erwähnung.

Im Anschluss sitzen wir in üblicher Weise gemütlich beisammen und erholen uns bei einem Vesper zum wiederholten Mal im „La Cicogna“. Sein mittelalterliches Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum wichtigsten Stadttor ist auch in mehreren Dioramen zu finden, damals noch unter dem Namen „Zum Storchen“.

Text: Wolfgang Kullmer
Bilder: Martin Konopka, Angelika Weisser, Wolfgang Weisser

Hinterlasse eine Antwort